Herrnhuter Losungen

HERR, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.
Psalm 92,6

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist.
1.Korinther 2,12

Losung für den 1. 11. 2014

01.03.13, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Kirchenkreise

Signale richtig deuten

Prävention gegen sexuelle Gewalt im Kirchenkreis Hamm

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises Hamm absolvierten eine Fortbildung zur Prävention gegen sexuelle Gewalt. Foto: KK Hamm

Die Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises Hamm absolvierten eine Fortbildung zur Prävention gegen sexuelle Gewalt. Foto: KK Hamm

KIRCHENKREIS HAMM - Mit einem breit angelegten Schulungsprogramm wird der Evangelische Kirchenkreis Hamm in Zusammenarbeit mit Kaktusblüte Hamm e.V., der lokalen Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt, aktiv gegen sexuellen Missbrauch.

Nachdem bereits im Herbst 2012 die Leitungen aller 37 Kindertageseinrichtungen eine Schulung zur Prävention gegen Missbrauch absolviert haben, nahmen jetzt alle Pfarrerinnen und Pfarrer des Kirchenkreises an der obligatorischen Fortbildung „Wissen macht Mut! Information kann schützen“ teil.

Bis Ende 2013 sollen nach einem Beschluss des Kreissynodalvorstandes (KSV) alle rund 400 Mitarbeitenden in den evangelischen Kitas an einer Schulung teilnehmen. „Darüber hinaus planen wir im nächsten Schritt eine verpflichtende Fortbildung für alle weiteren im pädagogischen Bereich Beschäftigten“, erläutert Superintendent Rüdiger Schuch.

So kamen kürzlich an einem Vormittag 21 Theologinnen und Theologen, darunter der Superintendent, in das kreiskirchliche Tagungszentrum Haus Caldenhof in Hamm, um sich unter der Leitung der pädagogischen Kaktusblüte-Mitarbeiterinnen Anne Mussenbrock und Cathrin Reinermann vier Stunden lang intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Nur die wenigsten von ihnen meinten in der Anfangsrunde, dies sei eine Materie, mit der sie bislang zu tun hatten. Doch nach einigen grundlegenden Informationen, wann von sexueller Gewalt oder sexuellem Missbrauch zu reden ist, und insbesondere nach dem Fernsehfilm „Nachts, wenn der Vater kam“, in dem eine junge Frau ihre Leidensgeschichte der Übergriffe durch den Stiefvater schildert, sahen das einige anders. So sagte einer der Teilnehmer am Schluss: „Ich glaube, ich muss zurücknehmen, was ich am Anfang meinte. Ich habe bislang nur die Signale nicht richtig gedeutet.“

Genau das ist die Zielsetzung der Prävention im Kirchenkreis Hamm. Sie will die Wahrnehmung sensibilisieren, die eigene Haltung in die Diskussion bringen und Möglichkeiten und Grenzen der Prävention vermitteln.

Ziel der Schulungen ist es, mehr Klarheit und Kompetenz im Umgang mit dem Thema sexuelle Gewalt zu erreichen. Dabei geht es nicht nur um die Prävention vor Missbrauch innerhalb der eigenen Einrichtungen, sondern auch um die Sensibilisierung für die Warnsignale von Kindern, die an anderer Stelle Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Denn jeder neunte bis zwölfte Junge und jedes vierte bis fünfte Mädchen macht mindestens einmal im Leben eine sexuelle Gewalterfahrung, sagt die Statistik.

Daraus schließt die Geschäftsführerin des Kita-Trägerverbundes im Kirchenkreis, Karin Engel-Hüttermann: „In über 20 Jahren ist mir in unseren Kitas nur zweimal der Verdacht auf einen externen sexuellen Missbrauch bekannt geworden. Das kann nur bedeuten, dass wir ganz viele Signale übersehen haben!“

Viel Raum nahm daher die Frage ein, wie im Verdachtsverfall sachgemäß zu handeln ist. „Gehen Sie nie alleine vor, sondern beraten Sie sich mit Fachleuten, wie das Kind am besten zu schützen ist“, so der erste Rat von Fachfrau Anne Mussenbrock. Und: „Lassen Sie sich, wenn ein Kind sich ihnen anvertraut, niemals in das Verbot hineinziehen, das Geheimnis weiter zu sagen. Denn das Geheimnisverbot ist Teil des Missbrauchssystems!“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Missbrauchsdebatte wurde aber auch diskutiert, wie sich Seelsorger davor schützen können, unter einen ungerechtfertigten Verdacht zu geraten. Hier zeigte sich Bedarf für weitere Fortbildung und Klärung der pastoralen Berufsrolle, dem der Kirchenkreis weiter nachgehen will.


 
 
 
 
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