23.12.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Landeskirche, epd

Reichtum umverteilen

Westfälische Sozialpfarrerin fordert eine höhere finanzielle Beteiligung der Vermögenden

Sozialpfarrerin Heike Hilgendiek. Foto: EKvW

Sozialpfarrerin Heike Hilgendiek. Foto: EKvW

SCHWERTE - Mit Blick auf die wachsende Armut in Deutschland fordert die westfälische Sozialpfarrerin Heike Hilgendiek eine Umverteilung des Reichtums. "Eine höhere finanzielle Beteiligung der Vermögenden ist notwendig", sagte sie in einem epd-Gespräch in Schwerte. Wachsender Reichtum für einen Teil der Bevölkerung habe in der Gesellschaft zugleich zu mehr Armut geführt. Der am Mittwoch veröffentlichte Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hatte bundesweit eine Zunahme von Armut festgestellt, besonders in Ostdeutschland und im Ruhrgebiet.

Eine Erhöhung um fünf Euro für Bezieher von Hartz-IV-Leistungen führe Menschen nicht aus der Armut, kritisierte die Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen. Für Erwerbstätige gelte, dass ihre Arbeit ihnen ein Leben in Würde ermöglichen müsse. Ein gesetzlicher Mindestlohn sollte das Aufstocken mit Hartz-IV-Leistungen unnötig machen.

Der Niedriglohnsektor müsse konsequent eingeschränkt und schließlich abgeschafft werden, sagte Hilgendiek. Öffentlich geförderte Beschäftigung hält sie weiterhin für nötig. Als unzureichend kritisiert die Sozialpfarrerin das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung. Bei vielen Familien komme diese Unterstützung nicht an.

Kindern und Jugendlichen muss nach Hilgendieks Worten der Zugang zu Bildung und Beteiligung erleichtert werden. "Dazu bedarf es nicht individueller Geldzuweisungen, sondern der Entwicklung und Finanzierung eines gerechten Bildungssystems", betonte sie. Arme Menschen hätten es in den Kommunen besonders schwer: "Soziale Projekte der Städte und Gemeinden werden gestrichen, kulturelle Angebote eingedampft, öffentliche Gebäude - Schulen, Sporteinrichtungen, Bäder - und Straßen sind zum Teil in katastrophalem Zustand."

Sich für eine solidarisches Gesellschaft einzusetzen und auf Missstände aufmerksam zu machen, hält die Theologin für eine zentrale Aufgabe der Kirche. "Denn mit Almosen und individueller Hilfe allein lässt sich keine gerechte Gesellschaft bauen." (epd)


 
 
 
 
Ansicht
 

Evangelische Kirche von Westfalen, Landeskirchenamt - Altstädter Kirchplatz 5 - 33602 Bielefeld
Fon (Zentrale): 0521 594-0 - Fax (Zentrale): 0521 594-129 - Landeskirchenamt@lka.ekvw.de - Impressum