02.11.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Kirchenkreise, Landeskirche

Mit Leidenschaft und Augenmaß

Antje Vollmer erhält den Hans-Ehrenberg-Preis 2011 und diskutiert mit Margot Käßmann in der Bochumer Christuskirche

Wird für ihre politischen Initiativen und die Kunst des Dialogs geehrt: Dr. Ante Vollmer. Foto: Jim Rakete

Wird für ihre politischen Initiativen und die Kunst des Dialogs geehrt: Dr. Ante Vollmer. Foto: Jim Rakete

BOCHUM/WESTFALEN - Die Publizistin und langjährige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Dr. Antje Vollmer, erhält den Hans-Ehrenberg-Preis 2011. Der mit 5000 Euro dotierte Preis würdigt Vollmers politische Initiativen, "mit denen sie in scheinbar ausweglosen gesellschaftlichen Konflikten Verständigungsprozesse auslöst, die sie mit Leidenschaft und Augenmaß moderiert", so die Begründung der Findungskommission.

Vollmer werde für ihre politische Sensibilität geehrt, "mit der sie geschehenes Unrecht wahrnimmt und es, ohne es zu beschönigen, zu besänftigen sucht". Der protestantische Preis wird am 22. November in der Christuskirche Bochum in Form eines öffentlichen Gesprächs verliehen, das Margot Käßmann, ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, mit der Preisträgerin zum Thema "Gott & die Politik" führen wird.

Das öffentliche Gespräch zu suchen, ist Charakteristikum des Preises, den der Evangelische Kirchenkreis Bochum in Abstimmung mit der Bochumer Hans-Ehrenberg-Gesellschaft und der westfälischen Landeskirche zum sechsten Mal verleiht.

Die bundesdeutsche Gesellschaft habe Antje Vollmer die Initiative zu verdanken, dass Zwangsarbeiter und NS-Opfer entschädigt werden konnten, sagte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bochum, Peter Scheffler am Reformationstag in Bochum. Vollmer habe 50 Jahre nach Ende des Krieges die deutsch-tschechische Versöhnung auf den Weg gebracht, aber ebenso den innergesellschaftlichen Dialog mit den Terroristen der RAF ermöglicht. Zuletzt habe sie den von der Bundesregierung eingesetzten Runden Tisch zur "Heimerziehung in den 50er / 60er Jahren" moderiert und einen für das gesellschaftliche Zusammenleben glaubwürdigen Lösungsvorschlag unterbreitet.

Mit dem Preis und seinem protestantischen Profil werden Leben und Werk des Bochumer Pfarrers Hans Ehrenberg vergegenwärtigt: Der jüdisch geborene Ehrenberg (1883–1956), Professor der Philosophie und prominenter Publizist, war nach seiner Konversion zum evangelischen Glauben Vordenker einer evangelischen Sozialethik und Zeit seines Lebens entschiedener Gegner der Nationalsozialisten. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde Ehrenberg ins KZ Sachsenhausen verschleppt, nach monatelanger Folter konnten er und seine Familie nach England entkommen.

Heute wird der nach ihm benannte Preis an Persönlichkeiten und Initiativen verliehen, "die protestantische Positionen in öffentlicher Auseinandersetzung vertreten", heißt es in der Widmung der Evangelischen Kirche Bochum. Wie Traugott Jähnichen, Bochumer Theologieprofessor und Vorsitzender der Hans-Ehrenberg-Gesellschaft jetzt erklärte, habe Antje Vollmer ihre Art der Politik auf jenem "dialogischen Prinzip" gegründet, das Ehrenberg für die politische Theorie der Gegenwart fruchtbar gemacht habe.

Dem Dialog ist auch der Festakt zur Preisverleihung in der Christuskirche Bochum verpflichtet: Anstelle einer klassischen Laudatio werden die Preisträgerin und Margot Käßmann, Professorin an der Ruhr-Universität Bochum, ab 19 Uhr über "Gott & die Politik" sprechen und darüber, wie sich im öffentlichen Leben "Wege der Versöhnung" ebnen lassen. Demokratie, so habe Vollmer dies kürzlich formuliert, sei diejenige Staatsform, "die sich selber korrigieren kann".

Die Diskussion ist öffentlich, der Zugang frei. Platz-Reservierungen unter info(at)christuskirche-bochum.de

Die Begründung der Findungskommission (pdf)
Die Biografie von Dr. Antje Vollmer (pdf)



 
 
 
 
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