04.07.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Landeskirche, UNSERE KIRCHE

Maximale: Doppelt frisch

Erfrischende Impulse für rund 1900 Besucher in Hamm

Sängerin und Songwriterin Judy Bailey holte sich Verstärkung aus dem Publikum. Foto: UK/gmh

Sängerin und Songwriterin Judy Bailey holte sich Verstärkung aus dem Publikum. Foto: UK/gmh

Gleich doppelt frisch erwies sich das evangelische Gemeindefestival am Sonntag im Maximilianpark in Hamm. Frisch war das Wetter. Bei 17 Grad auf der grünen Wiese im Park Gottesdienst zu feiern erfordert Durchhaltevermögen. Zum Glück hatten die Wetterschleusen des Himmels ein Einsehen: Im Freizeitpark, der alle zwei Jahre Treffpunkt für Christen aus ganz Westfalen ist, war es bewölkt, aber es blieb trocken.

Frisch und erfrischend waren auch die Erfahrungen, die man sammeln konnte: Rund 1900 Menschen, etwa so viel wie vor zwei Jahren, können hier wählen zwischen Gottesdiensten, Vorträgen, Konzerten und Mitmach-Aktionen für jede Altersgruppe. Gemeindegruppen sind gekommen, Großfamilien samt Omi, Enkeln und Bollerwagen bevölkern den Park.

300 Jugendliche auf dem "Jesus-Weg"

Den Anfang des Festes setzen vier Gottesdienste für unterschiedliche Altersgruppen. Erfreulich zahlreich die Kinder: Über 800 von ihnen feiern in zwei Altersgruppen mit viel Bewegung und Gesang. Rund 300 Jugendliche gehen in ihrem Gottesdienst den "Jesus-Weg" und werden dabei von Patrick Depuhl und Judy Bailey begleitet.

Vor rund 700 Erwachsenen macht der frühere Bischof Axel Noack Mut zum Leben in den Fußspuren Jesu Christi - auch gegen Widerstände. Die Leitlinie: Nimm dich selber zurück! Auch Jesus sei zuerst nach unten gegangen. Das aber ist in der Gesellschaft unmodern. Es gehe heute darum, Karriere zu machen. Diese Haltung schwappt auch in die Kirche: "Wer schwach ist, hat es auch in der Kirche nicht leicht", so Axel Noack.

Noack: Wahrhaftigkeit gehört zum Christenleben

Die Kraft für ein Leben nach den Maßstäben Jesu kommt aus der einfachen Einsicht: Ich habe die Liebe Gottes erfahren und deshalb gebe ich sie weiter. Dabei sollten besonders die Menschen im Blick sein, die durch ihre Lebenserfahrungen gerade an dieser Güte zweifeln. Und auch das gehört zum Christenleben: Wahrhaftigkeit - gerade beim Zurückbleiben hinter den eigenen Ansprüchen. So bleibe der eigene Weg ein Hören, Einüben und Praktizieren des Wortes Gottes. Mit einem Lutherzitat unterstreicht Noack: Wer mit Christus fest verbunden ist, darf darauf vertrauen, trotz allem "durchgezogen" zu werden.

Segnungs-Oase, Gebetsgarten und Bibelausstellung

Das evangelische Gemeindefestival verband auch in diesem Jahr Inspiration für den persönlichen Glauben mit dem Leben in Verantwortung vor der Schöpfung und dem menschlichen Leben. Die Segnungs-Oase, ein Gebetsgarten und die Bibelausstellung waren ebenso gefragt wie das Forum "Menschen stark machen fürs Leben".

Die Talk-Runde "Wer regiert die Welt?" ging der Frage nach, wie Christsein zwischen Geld, Gier und ethischer Verantwortung möglich ist. WDR-Moderatorin Gisela Steinhauer befragte unter anderem Pfarrer Jean Gottfried Mutombo vom Amt für missionarische Dienste (AmD, Dortmund) nach seinen Erfahrungen im Kongo. "Viele Unternehmen in Afrika haben keine Achtung vor den Menschenrechten", sagte Mutombo. Korruption sei im Spiel. Falsche Verträge führten dazu, dass die Erlöse aus den Bodenschätzen ins Ausland fließen. Hier sei eine Wende eingeleitet worden.

Mikrokredite helfen

Kirchen in Afrika könnten einen Raum für Diskussionen schaffen, wie ethisch verantwortliches Wirtschaften in die Praxis umgesetzt werden könne. Mutombo nannte positive Erfahrungen durch die Vergabe von Mikrokrediten in seinem Land.

Von der Verantwortung seines Unternehmens für die Zulieferbetriebe berichtete der christliche Unternehmer Heinrich Deichmann (Essen), Chef der größten Schuheinzelhandelskette in Europa: "Wir müssen Ländern die Chance geben, sich zu entwickeln, ohne sie mit Kosten zu überfordern." Es helfe nicht, die hohen deutschen Standards überzustülpen. Mit einem Verhaltenskodex will Deichmann über seine Zulieferer weltweit erreichen, dass soziale und ökologische Mindeststandards umgesetzt werden, etwa den Verzicht auf Kinderarbeit.

Höhere Zinsen, höheres Risiko

Auf die Frage, wann aus einem vernünftigen Umgang mit Geld Gier wird, antwortete Ekkehard Thiesler von der KD-Bank: Wenn zuviel Zinsen im Spiel sind. Die Verbraucher sollten wissen: Je höher die Zinsen für ein Anlageprodukt sind, desdo höher sind die Risiken. Seine Bank suche einen Weg abseits von Spekulationen, etwa die Zusammenarbeit mit dem Mikrofinanzierer Oikocredit und Brot für die Welt. Ein Nachhaltigkeitsfilter helfe zudem die Erkenntnisse des konziliaren Prozesses umzusetzen. Der Filter enthalte 300 Kriterien, an denen die Glaubwürdigkeit von Unternehmen gemessen werde, unter anderem Umweltstandards.

"Was brauchen wir Lena?"

Ein weiterer Schwerpunkt des maximale-Festivals: mitreißende Musik. "Auf dich kommt es an", singt Sängerin Judy Bailey, "du kannst die Welt verändern" und bringt das jugendliche Publikum zum Hüpfen und Tanzen.
Es gibt ein offenes Gospelsingen mit Helmut Jost und Band, Mike Müllerbauer begeistert die Kinder mit einem Mitmachkonzert. Miriam Schäfer, Sängerin bei den Foren, erhält von WDR-Moderatorin Gisela Steinhauer ein besonderes Lob. Im Blick auf den nächsten Musik Grand-Prix meint sie: "Was brauchen wir Lena, wir haben doch Miriam!"

Positives Fazit

Birgit Winterhoff, Leiterin des Amtes für missionarische Dienste, zieht eine positive Bilanz des Tages: Sie habe bei den Wettervorhersagen nicht mit so viel Besuchern gerechnet. Der Maximilianpark habe sich wieder als Veranstaltungsort bewährt. "Wir gehen dahin, wo die Leute sowieso sind." (UK/Harald Mallas)



 
 
 
 
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