Lübking: Schulkompromiss ist ein erster Schritt
Kirchlicher Bildungsexperte befürchtet mehr Belastungen für Eltern
SCHWERTE - Der kirchliche Bildungsexperte Hans-Martin Lübking hat den Schulkonsens im Grundsatz begrüßt, zugleich aber das Nebeneinander der unterschiedlichen Schulformen kritisiert. "Den Eltern wird viel abverlangt: Sie müssen sich genau informieren, was in der Vielfalt das richtige für das Kind ist", sagte der Leiter des Pädagogischen Institutes der westfälischen Landeskirche, Hans-Martin Lübking, am Mittwoch in Schwerte dem epd. Jetzt gebe es nebeneinander ein gegliedertes und ein integriertes Schulsystem. Der Konsens sei jedoch grundsätzlich ein Schritt nach vorne, weil er das gemeinsame Lernen in den Klassen 5 und 6 ermögliche.
Veränderung der Schulkultur fördern
Der Kompromiss sei nur dann akzeptabel, wenn zugleich ein sogenanntes Abschulungsverbot für Gymnasien verankert werde, führte Lübking aus, der auch Sprecher des Bündnisses "Länger gemeinsam lernen" ist. "Ein Gymnasium muss alle angemeldeten Schüler zu einem Abschluss führen", sagte er. Das könne zugleich ein Hebel dafür sein, um in den Gymnasien eine notwendige Veränderung der Schulkultur zu fördern. Für den Konsens habe die rot-grüne Landesregierung die Kröte schlucken müssen, dass es keine eigene gymnasiale Oberstufe bei den geplanten Sekundarschulen gebe, bemängelte der Bildungsexperte.
Alternativen zum Sitzenbleiben
Für die Umsetzung des Schulkonsenses seien neben der Verringerung der Klassenstärken auch Alternativen zum "Sitzenbleiben" nötig, führte der Theologe weiter aus. "Sitzenbleiben gehört abgeschafft", forderte Lübking. Zudem müsse es transparentere und gerechtere Kriterien für die Ausstattung von Schulen geben. Bildungsstätten an sozialen Brennpunkten oder mit behinderten Schülern müssten auch besser ausgestattet werden.
Für die künftigen Schulen ist nach Ansicht des Bildungsexperten eine Reform in der Lehrerausbildung notwendig. Lehrer müssten stärker auf individuelles Lernen und die Integration von behinderten Schülern setzen. Die von der UN-Behindertenkonvention vorgegebene Inklusion müsse zur Standardausbildung jedes Lehrers gehören. "Das ist an den Unis, wo die Lehrer ausgebildet werden, noch nicht angekommen", sagte Lübking. Gefordert seien hierbei die Universitäten, die Fortbildung sowie die Schulen selbst.
Gemeinsamer Unterricht in den Klassen 5 und 6
Nach der ausgehandelten Lösung soll die von Rot-Grün favorisierte Gemeinschaftsschule künftig Sekundarschule heißen und die Jahrgänge 5 bis 10 umfassen. In den Klassen 5 und 6 sollen die Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Wenn eine Sekundarschule eine Oberstufe einrichten will, muss sie zur Gesamtschule umfirmieren. Der Kompromiss sieht auf Drängen der CDU neben der Sekundarschule eine gesetzliche Garantie für Realschulen und Gymnasien als gegliederte Schulformen vor. (epd)



