14.02.12, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Kirchenkreise

Lieber agieren als reagieren

In Gelsenkirchen und Wattenscheid soll ein Netzwerk starker evangelischer Orte entstehen

Superintendent Rüdiger Höcker brachte die Vorlage vor der Synode ein. Foto: KK GE-WA

Superintendent Rüdiger Höcker brachte die Vorlage vor der Synode ein. Foto: KK GE-WA

GELSENKIRCHEN – Mit großer Mehrheit hat die Synode des Kirchenkreises Gelsenkirchen und Wattenscheid bestätigt, dass so bald wie möglich 21 Kirchen und 19 Gemeindehäuser bestimmt werden, die langfristig betrieben werden sollen. „Ein solches Projekt gibt es in den westfälischen Kirchenkreisen bisher noch nicht“, sagte Landeskirchenrätin Dr. Johanna Will-Armstrong (Bielefeld).

Im Vorfeld der Sondersitzung war bereits deutlich geworden, dass sich die sechs Kooperationsräume mit jeweils ein bis vier Kirchengemeinden schwer tun, zu bestimmen, welche ihrer drei (in Wattenscheid vier) Kirchen und Gemeindehäuser langfristig erhalten werden sollen. Deshalb wurde über die Frage, ob der Auswahlprozess weiter gehen soll, ausführlich beraten. Denn es ist auch klar: Diejenigen Kirchen und Gemeindehäuser (acht), die am Ende nicht ausgewählt werden, können zwar vorerst weiter betrieben werden, laufen aber aus, wenn größere Sanierungen notwendig werden.

Die Gründe dafür sind bekannt: In Gelsenkirchen und Wattenscheid sinken die Einwohnerzahlen seit Jahren. Ein Prozess, der  noch nicht an seinem Ende angelangt ist. Der evangelische Bevölkerungsanteil sinkt noch stärker. Entsprechend werden einerseits weniger Kirchen gebraucht, andererseits fehlen auch die Mittel, um sie zu erhalten. Alle 20 bis 30 Jahre muss ein Kirchengebäude von Grund auf saniert werden. Das kostet je nach Größe zweihunderttausend bis mehr als eine Million Euro. Dazu kommen die jährlichen Betriebs- und Personalkosten.

Dennoch sind Kirchen mehr als bloße Rechenaufgaben. „Kirchen und Gemeindehäuser aufzugeben gehört zu dem Schmerzvollsten, was Christinnen und Christen sich vorstellen“, sagte Superintendent Rüdiger Höcker in seiner Einbringung. „Kirchen sind Orte verdichteter Erfahrungen mit Gottes Nähe. Hier wurden unsere Kinder getauft, unser Erwachsenwerden gestärkt, unsere Ehen gesegnet, unsere Lieben betrauert. Hier haben Menschen mit Gott gerungen. Hier hat uns sein Wort getröstet. Hier haben wir seine besondere Nähe erfahren in Brot und Wein. Kirchen sind nicht nur einfach nur Steine – sie sind Orte des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung – Orte Gottes. So löst es bei uns tiefe Trauer und tiefen Schmerz aus, wenn wir eine Kirche aufgeben.“

Letztlich war die Mehrheit der 120 Synodalen davon überzeugt, dass es besser sei, jetzt zu agieren, als in einigen Jahren nur noch auf finanzielle Nöte zu reagieren. Superintendent Höcker brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen auch 2020 erkennbare starke evangelische Orte in Gelsenkirchen und Wattenscheid. Wir brauchen ein Netzwerk von solchen Orten. Das heißt: Wir wollen es nicht dem Zufall überlassen, sondern wir wollen gemeinsam entscheiden, wo dieses Netzwerk seine Knotenpunkte hat.“

Nun sind die Kooperationsräume wieder gefragt. Sie werden weiter beraten und müssen Entscheidungen treffen, die voraussichtlich auf der Sommersynode endgültig beschlossen werden. (Katharina Blätgen)


 
 
 
 
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