„In Freundschaft getrennt“
Fusionspläne der Diakonie Gütersloh e.V. und der Diakonie im Kirchenkreis Halle e.V. sind vom Tisch

Superintendent Christian Heine-Göttelmann, Diakonie-Vorstand Ingo Hansen und Superintendent Walter Hempelmann (von links). Foto: Kerstin Jacobsen
GÜTERSLOH/HALLE - Die beiden Diakonien im Kreis Gütersloh haben ihre Fusionsüberlegungen vorerst aufgegeben. Das teilten Vertreter der Diakonie Gütersloh e.V. und der Diakonie im Kirchenkreis Halle e.V. mit. Die gemeinsame Geschäftsführung unter Ingo Hansen endet zum 30. Juni. Dennoch sollen einzelne Geschäftsfelder daraufhin überprüft werden, ob Teilkooperationen möglich sind. Die Mitarbeitenden der Diakonie waren vorab informiert worden.
Seit dem 17. Mai 2010 hatte Hansen neben der Leitung des Haller Diakonievereins auch die der Gütersloher Diakonie Gütersloh e.V. inne. Gegenüber der Presse bescheinigte Superintendent Christian Heine-Göttelmann ihm „die größte kaufmännische Kompetenz in der Diakonie Gütersloh, die wir je hatten.“ Dennoch habe man sich „freundschaftlich voneinander getrennt.“ Die Diakonie im Kirchenkreis Halle wird Hansen weiterhin leiten.
Schwerpunkte: Pflege und Beratung
Grundsätzlich sind die beiden Diakonien ähnlich strukturiert. Beide setzen Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Pflege und Beratung. In der Diakonie Gütersloh arbeiten 340 Menschen (das entspricht 140 vollen Stellen), in der Diakonie Halle 270 (entspricht 125 vollen Stellen). Das Haushaltsvolumen der Diakonie Gütersloh beträgt 2011 rund 10 Millionen Euro, das der Diakonie Halle 7, 8 Millionen.
„Wir stehen gut da“, sagt Superintendent Walter Hempelmann (Halle) mit Blick auf die Finanzen der Diakonie Halle. Bei den Güterslohern sieht das anders aus. Deren Diakonie fährt laut Johannes Schäfer „wirtschaftlich gesehen an der Kante des Tisches“. Dies sei laut Auskunft des externen Beraters nicht auf Missmanagement zurückzuführen, sondern habe strukturelle Gründe.
"Knallhartes Sanieren"
Als sich 1998 diakonische Einrichtungen des Kirchenkreises Gütersloh zum Diakonieverein zusammenschlossen, wurden alle Mitarbeitenden übernommen. Dieser habe rund eine Millionen Euro an Kirchensteuermitteln von den Kirchengemeinden erhalten. Heute seien es nur noch rund 44.000 Euro bei fast dreimal so vielen Mitarbeitenden. Pflichtbeiträge zur kirchlichen Zusatzversorgung (4 Prozent) und für den Sanierungsfonds (2,8 Prozent) schmälern die Kasse laut Hansen zusätzlich. Die Diakonie zahle im Gegensatz zu freien Mitbewerbern höhere Tariflöhne.
Schäfer kündigte „knallhartes Sanieren“ und Konzentrationsprozesse an. „Es geht aber nicht darum, Leistungsbereiche wie Pflege und Beratung zu kürzen“, beschwichtigte Hansen. „Hier müssen die Mitarbeitenden gestärkt werden.“ Vielmehr müsse Verwaltung und Leitung effizienter gestalten sowie das Qualitätsmanagement ausgebaut werden, so Heine-Göttelmann.
Marketing und Controlling nötig
Die weitere Zusammenarbeit in Teilbereichen wollen beide Diakonien prüfen. Derzeit führt der Verwaltungsrat der Diakonie Gütersloh auch Gespräche mit verschiedenen möglichen Kooperationspartnern, nennt jedoch noch keine Namen. Schäfer: „Kirche und Diakonie hat den Strukturwandel erst spät begriffen. Auch sie brauchen Marketing und Controlling. Das können kleine Einrichtungen auf Dauer nicht leisten.“ (kj)


