Gemeinsames Lernen im globalen Dorf
Bischöfe aus Afrika und Asien kommen zur Fortbildung nach Deutschland
WESTFALEN/WUPPERTAL - 20 evangelische Bischöfe aus Afrika und Asien haben sich in Deutschland für ihre Leitungsaufgabe qualifiziert: Zwei Wochen lernten sie bei der Vereinten Evangelischen Mission (Wuppertal) „Strategisches Management und Leitung“.
Manche gesellschaftlichen Entwicklungen hierzulande zeichnen sich – in anderer Form und in anderem Ausmaß – auch in Ländern wie Tansania oder Indonesien ab. Nicht nur in Europa werden die Gesellschaften differenzierter, gibt es Säkularisierung und Abbrüche religiöser Traditionen. Darauf ging in Bielefeld Präses Alfred Buß ein, der die Gäste als leitender Theologe der Evangelischen Kirche von Westfalen empfing. Er warnte vor einer „Selbstsäkularisierung“ der Kirche: Ihre Aufgabe bleibe es, das Evangelium weiter zu sagen: „Wenn wir das nicht mehr als Markenzeichen haben, dann verschwinden wir zu Recht.“
Dabei sei es notwendig, die Menschen in ihren jeweiligen Zusammenhängen und Milieus anzusprechen. Dazu brauche man unterschiedliche Formen und Angebote kirchlicher Arbeit. Als gelungenes Beispiel nannte der Präses das Jahr der Taufe 2011. Zahlreiche Tauffeste sprechen Menschen an, die sonst eine gewisse Scheu haben, ihr Kind zur Taufe anzumelden.
„Wir leben in einem globalen Dorf“, sagte Dr. Kakule Molo, Präsident der Kirche Christi im Kongo. „Die Gesellschaften entwickeln sich, die Probleme sind vergleichbar.“ Was konnten Afrikaner konkret lernen? „Bei uns gibt es noch das starke Bewusstsein, dass ein Bischof allein regiert“, meinte Molo, der lange in Deutschland gearbeitet hat. Zwar hätten auch in Afrika evangelische Kirchen keine hierarchische Ordnung, sondern seien von unten nach oben aufgebaut.
Aber in der Praxis sei der Bischof eben immer noch oft die zentrale Führungsfigur. Über partnerschaftlichen Führungsstil lernten die Kirchenleiter einiges in dem Seminar, das am Freitag (1.7.) zu Ende ging. Wie lassen sich Aufgaben und Verantwortung delegieren? Wie organisiert man Sitzungen effektiv? Wie können Konflikte so gelöst werden, dass alle damit zufrieden sind? Ein weiteres Thema für die Fortbildungsteilnehmer aus Tansania, Kamerun, Kongo, Namibia, Ruanda, Indonesien, den Philippinen und Sri Lanka: Finanzen - Marketing, Haushaltsführung, Fundraising.
Die Vereinte Evangelische Mission mit Sitz in Wuppertal ist eine internationale Gemeinschaft von 34 Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland und den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Die Kirchen arbeiten gleichberechtigt zusammen. Die VEM verfolgt ein ganzheitliches Missionsverständnis: Die Verkündigung des Evangeliums gehört genauso dazu wie das Verbessern der Lebensumstände notleidender Menschen und das Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung.



