03.08.11, Kategorie: epd, Aktuelle Nachrichten, Diakonie

Funktionierenden Pflegemix entwickeln

Diakonie für Gesetzesinitiative gegen Schwarzarbeit in der Pflege

Die Diakonie fordert, dass die Probleme der Schattenwirtschaft mit ihren prekären Arbeitsverhältnissen im Pflegebereich angegangen werden. Foto: Bilderbox

Die Diakonie fordert, dass die Probleme der Schattenwirtschaft mit ihren prekären Arbeitsverhältnissen im Pflegebereich angegangen werden. Foto: Bilderbox

MÜNSTER - Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) fordert eine Gesetzesinitiative zur Qualitätssicherung und Eindämmung von Schwarzarbeit in der häuslichen Pflege. "Wir müssen die Probleme der Schattenwirtschaft mit ihren prekären Arbeitsverhältnissen im Pflegebereich angehen", sagte Ulrich Christofczik, Leiter des Geschäftsbereichs Pflege der Diakonie RWL, am Freitag in Münster. Bundeseinheitliche Vorgaben zu den Versorgungsstrukturen im Bereich ambulanter Pflege könnten einem drohenden Qualitätsverlust sowie einer Abwertung des Berufsbildes entgegenwirken.

Als Vorbild nannte der Experte das seit 2007 in Österreich geltende Hausbetreuungsgesetz, das pflegebedürftigen Personen ab Pflegestufe drei sowie Demenzkranken eine Rund-um-Betreuung durch Angehörige oder professionelle Pfleger sichert. Die daraus entstehenden Kosten teilen sich im Nachbarland Bund und Bundesländer. Die gemeinsame Förderung ist dabei an bestimmte Qualitätskriterien zur Gewerbeordnung oder zur Arbeitszeitregelung gekoppelt.

Das österreichische Modell sei allerdings nicht ohne weiteres auf Deutschland nicht übertragbar, da hier die Bedarfszahlen weit auseinanderklafften, erklärte Christofczik. In Österreich nehmen den Angaben nach weniger als 15.000 Pflegebedürftige eine 24-Stunden-Betreuung in Anspruch. In Deutschland liege dagegen die Zahl der Pflegekräfte in Privathaushalten Schätzungen zufolge zwischen 120.000 und 800.000.

Ziel müsse es sein, einen funktionierenden Pflegemix in Deutschland zu entwickeln, bei dem Hausbetreuungskräfte, Angehörige, Ehrenamtliche, Pflegedienste und -kassen miteinander zusammenarbeiten, erklärte Christofczik. Priorität sei hier, "bezahlbare, qualitätsgesicherte, humane und an das Versorgungssystem angebundene Arbeitsverhältnisse zu etablieren". Die Politik müsse dazu gesetzliche Rahmenbedingungen etwa zur Entgeltregelungen für den Niedriglohnsektor im Betreuungsbereich und zur Zusammenarbeit von Pflegdiensten, Ärzten und pflegenden Angehörigen schaffen.

"Wichtig sind für uns auch Kontrollmöglichkeiten zum Schutz der Pflegebedürftigen und der in den Privathaushalten beschäftigten Personen durch eine neutrale Instanz", betonte der Pflegeexperte. Dies erfordere Konzepte zur Anleitung, Schulung, Qualitätssicherung und Beratung." (epd)


 
 
 
 
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