15.03.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, Landeskirche, epd

Erste Pfarrerin am Bosporus eingeführt

Ursula August leitet als Nachfolgerin von Holger Nollmann die deutsche Gemeinde in Istanbul

Kirchenrat Gerhard Duncker (links) und Pfarrer Holger Nollmann gratulierten Pfarrerin Ursula August nach ihrer Amtseinführung. Foto: EKvW

Kirchenrat Gerhard Duncker (links) und Pfarrer Holger Nollmann gratulierten Pfarrerin Ursula August nach ihrer Amtseinführung. Foto: EKvW

ISTANBUL/MARL - Die westfälische Theologin Ursula August ist am Sonntag in ihre neue Pfarrstelle in Istanbul eingeführt worden. Mit August leitet erstmals eine Frau die deutschsprachige evangelischen Gemeinde in der Türkei. Bei einem Festgottesdienst in der deutschen Gemeinde wurde sie von dem Nahost-Referenten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrat Jens Nieper, offiziell als Auslandspfarrerin der EKD beauftragt. An dem Gottesdienst nahmen auch der Islambeauftragte der westfälischen Kirche, Kirchenrat Gerhard Duncker, und NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) teil.

Dass es mit August erstmals eine Pfarrerin in der Türkei gebe, habe sowohl in Deutschland wie in der Türkei für große Aufmerksamkeit gesorgt, sagte Nieper bei der Einführung. Auftrag der Kirche sei es, an der Seite aller zu stehen, die sich für Frieden, für Versöhnung und für Gerechtigkeit einsetzen. Dabei gebe es keinen Unterschied, welchen Pass diese Menschen trügen und welcher Religion oder Konfession sie angehörten. Nieper wünschte August, dass sie aus der Liebe Gottes heraus ihren Dienst in Istanbul und in der Türkei wahrnehme.

NRW-Integrationsminister Schneider hob die Notwendigkeit der Religionsfreiheit in Europa hervor. Es sei wichtig, dass es ganz selbstverständlich dazugehöre, dass eine Pfarrerin in der Türkei ihren christlichen Dienst tue, sagte er. Das sei ebenso selbstverständlich, wie ein Imam in Deutschland seinen muslimischen Dienst tue. Religionsfreiheit sei ein unveräußerliches Gut in Europa, denn sie sei ein Garant für das friedliche Zusammenleben.

Der westfälische Kirchenrat Duncker hob den sozialen Auftrag der Religion hervor. Nötig sei die Sorge um das Wohl der Menschen und nicht der Ruhm der Religionen oder der Kirche, sagte der Theologe, der früher ebenfalls EKD-Auslandspfarrer in Istanbul gewesen ist. Der neuen Türkeipfarrerin wünschte Duncker: "Möge Christus Sie in Ihrem Dienst und Zeugnis in Istanbul stärken und beschützen."

Ursula August betreut den Angaben zufolge die rund 200 Mitglieder der deutschen Gemeinde in Istanbul sowie weitere Mitglieder in Ankara und an anderen Orten in der Türkei. Die 51-jährige Theologin aus Marl ist Nachfolgerin von Auslandspfarrer Holger Nollmann. Offiziell hat August die Pfarrstelle bereits seit Februar übernommen. Die Gemeinde besteht zum größten Teil aus Menschen, die aus beruflichen Gründen am Bosporus leben, Angehörige deutscher Firmen sowie Diplomaten, Mitarbeiter von Botschaft und Konsulaten.

In der Türkei stellen die Christen eine kleine Minderheit. Über 99 Prozent der 70 Millionen Einwohner gelten als Muslime. Ihnen stehen gerade mal 100.000 Christen gegenüber. Da die Kirche dort keine juristische Körperschaft ist, können Christen weder Gebäude kaufen oder umbauen noch Theologen ausbilden.


 
 
 
 
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