Ein Ort des Widerstands
Dortmunder Bündnis ruft zu Protest gegen Naziaufmarsch auf
DORTMUND - In Dortmund hat ein Bündnis aus Stadt, Kirchen, Vereinen und Initiativen zu Demonstrationen gegen einen Nazi-Aufmarsch am kommenden Samstag aufgerufen. Dortmund sei keine Hochburg von "autonomen Nationalisten und ähnlichem Gesindel", sondern ein Ort des Widerstands, sagte Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) am Mittwoch in Dortmund.
Wenn die Rechtsextremen am Samstag anlässlich ihres sogenannten "7. Nationalen Antikriegstags" durch Dortmund marschierten, wolle die Stadt mit ihren Verbündeten mit insgesamt rund 30 Veranstaltungen im ganzen Stadtgebiet und einem Friedensfest am Dorstfelder Wilhelmplatz dagegen ein Zeichen setzen.
Sierau und Schneider unterstützen Blockaden
An seiner Unterstützung für Blockaden hielt der Oberbürgermeister trotz Kritik vonseiten der Polizei fest. Die Gewerkschaft der Polizei und der Dortmunder Polizeipräsident hatten kritisiert, dass Sierau neben anderen prominenten Politikern wie NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) den Aufruf der Initiative "Dortmund nazifrei" unterzeichnet hat, die im Internet offen zu Blockaden der Rechtsaußen-Demo aufruft.
Friedliche Sitzblockaden halte er "durchaus für ein legitimes Mittel im Kampf gegen den braunen Sumpf", erklärte Sierau. Er habe aber auch Verständnis für die schwierige Rolle der Polizei. Deshalb plädiere er für "dosierte Blockademaßnahmen im Zusammenspiel mit der Polizei", die nicht eskalieren dürften.
25.000 Flyer im Stadion verteilt
Den in der Vergangenheit geäußerten Vorwurf, die Verantwortlichen in der Stadt würden angesichts der Nazi-Umtriebe "Däumchen drehen", wies Sierau zurück: In keiner anderen deutschen Stadt gebe es so viele Gegenmaßnahmen in dieser Dichte. Sarah Hartwich von der BVB-Fanabteilung sagte, man habe rund 25.000 Flyer im Stadion verteilt, um auf die Aktionen gegen Rechts aufmerksam zu machen.
Auch die Kirchen wollen sich engagieren: "Als evangelische Kirche haben wir das Thema schon seit langem auf der Tagesordnung", sagte Friedrich Stiller, Pfarrer der Evangelischen Stadtkirche und Sprecher des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus. Man wolle auch über die Demonstration hinaus die Menschen für die Gefahren von rechts sensibilisieren.
Eine besondere Provokation
Den geplanten Nazi-Aufmarsch in der Dortmunder Nordstadt mit ihrem hohen Migrantenanteil nannte Stiller eine besondere Provokation: Der Ort des friedlichen Zusammenlebens verschiedener Nationalitäten dürfe nicht für solche Demonstrationen missbraucht werden, weshalb man dort mit einer Gegenveranstaltung Solidarität mit den dort lebenden Menschen zeigen wolle.
Hartmut Anders-Hoepgen von der "Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie" lobte, dass die städtischen Gelder für Projekte gegen Rechtsextremismus auf 200.000 Euro verdoppelt worden seien. In Zusammenarbeit mit der Neonazi-Aussteigerinitiative Exit habe man unter der Adresse dortmund-beratung.de eine Online-Beratungsstelle eingerichtet. Dort hätten sich bereits einige besorgte Eltern gemeldet, fügte sein Kollege Stefan Mühlhofer hinzu. (epd)
- Weitere Infos: www.projekte-dortmund.de
- Der Aufruf zum Runterladen (pdf)



