Ein Lebenstraum geht in Erfüllung
Dr. Rainer Stuhlmann wird neuer Studienleiter in Nes Ammim
AKKO/WESTFALEN - Dr. Rainer Stuhlmann geht als Studienleiter in die christliche Siedlung Nes Ammim. Der ehemalige Kölner Schulreferent und frühere Superintendent hat sich für zwei Jahre verpflichtet.
Der Name der kleinen Siedlung bei Akko im Norden Israels ist Programm: „Zeichen für die Völker“ bedeutet „Nes Ammim“, und ein Zeichen wollten seine Gründer setzen: „Man hatte erkannt, dass der Antisemitismus seine Wurzeln auch in der christlichen Tradition hat“, sagt Stuhlmann. Die Gründer des Dorfes, Christinnen und Christen aus den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz, wollten dagegen ein Zeichen der Unterstützung für den jungen Staat Israel und seine Bevölkerung setzen.
Auf christliche Missionierung wurde völlig verzichtet, stattdessen sollten Nes Ammims Besucherinnen und Besucher die jüdischen Traditionen kennen lernen und sich darüber auch mit den Wurzeln des Christentums auseinandersetzen. „Das war 1963 ein unerhörter Akt. Diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland gab es noch nicht.“
Seit diesen Anfängen kommen überwiegend junge Menschen aus Deutschland und den Niederlanden nach Nes Ammim, um dort in der Regel für ein Jahr als Volontäre zu arbeiten. Früher sorgte eine Rosen- und Avocadozucht für die wirtschaftliche Grundlage, heute ein Hotel. „Das wird auch von Israelis, zum Beispiel für Familienfeiern, gut angenommen“, berichtet Stuhlmann.
Ein Lebenstraum
Was treibt den Theologen im Ruhestand in die Ferne? „Als junger Student habe ich zwei Anläufe genommen, um in Jerusalem zu studieren“, erinnert sich Stuhlmann. Aber damals war das noch schwieriger. Doch: „Der Dialog zwischen Christen und Juden war immer Schwerpunkt meines theologischen Denkens.“ Und so erfüllt er sich mit dem Dienst als Studienleiter „einen alten Lebenstraum“.
Zu seinen Aufgaben gehört die Verantwortung für das Programm aus Exkursionen und Seminaren, das die Volontäre in Nes Ammim absolvieren. Auch die inhaltliche Arbeit mit Reise- und Studiengruppen, die regelmäßig nach Nes Ammim kommen, gehört zu seinen Aufgaben. „Ich werde erst einmal an das anknüpfen, was dort ist.“
Den Dialog ausweiten
Schließlich möchte Stuhlmann den Umbruch, den Nes Ammim zur Zeit angeht, mit gestalten: „Es wäre schön, wenn Nes Ammim auch zu einem Ort des Dialogs zwischen arabischen und jüdischen Israelis werden könnte.“ Der innerisraelische Dialog zwischen Juden und Arabern soll für Nes Ammim eine Ergänzung zum christlich-jüdischen Dialog bilden. Ein erster Ansatz ist eine Umnutzung auf dem Dorfgelände: Wo früher Treibhäuser und Plantagen lagen, entstehen Baustellen für ein gemischtes Wohngebiet mit jüdischen und arabischsprachigen Bewohnerinnen und Bewohnern. Immerhin 20 Prozent der israelischen Bevölkerung sind arabischer Herkunft. (ekir.de/avc)
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