22.07.11, Kategorie: Aktuelle Nachrichten, epd

Der Tod als Neubeginn

Der Künstler Sol Lyfond zeigt symbolträchtige Videoinstallationen vom Werden und Vergehen

Ausschnitt aus dem Austellungskatalog. Foto: Lyfond

Ausschnitt aus dem Austellungskatalog. Foto: Lyfond

KASSEL/KÖLN - Die Umwandlung einer Raupe in einen Schmetterling - Metamorphose genannt - hat schon zu früheren Zeiten die Menschen fasziniert. Zum einen, weil hier aus einem Lebewesen etwas vollkommen Neues entsteht. Zum anderen, weil die Raupe mehr oder weniger stirbt und in veränderter Form neu zum Leben erwacht.

Auch der Kölner Künstler Sol Lyfond ist dieser Faszination erlegen und hat vier Minuten dieser Umwandlung in Echtzeit gefilmt. Das Ergebnis ist derzeit im Kasseler Museum für Sepulkralkultur zu sehen, in der Lyfond seine Ausstellung "endlich unendlich. Der Tod als kosmische Spur des Lebens" inszeniert.

Der Tod ist nicht das Ende

Dass der Tod nicht das Ende ist, sondern immer auch wieder ein Neubeginn, ist eine Beobachtung, die Lyfond schon vielfach gemacht hat. Nicht nur bei der besagten Metamorphose, sondern auch im Weltall. "Bei dem Tod eines Sterns entstehen viele schwere Elemente, die für uns heute lebensnotwendig sind", führt er ein weiteres Beispiel an, wie der Tod zum Leben beiträgt. Aber auch die Entstehung des komplexen menschlichen Gehirns setze voraus, dass Nervenzellen absterben, argumentiert er. Auf künstlerisch bearbeiteten Videos und Bildern aus den Bereichen Astrophysik, Gehirnforschung sowie selbst produzierten Sequenzen kann man dies im Museum eindrücklich verfolgen.

Die Entstehung des Universums

Im Zentrum der Ausstellung steht ein eigens eingerichteter, abgedunkelter Raum mit zwei Liegen darin. Hier sind Besucher eingeladen, an der Decke ein paar Minuten lang eine vom Künstler bearbeitete Simulation über die Entstehung des Universums zu beobachten. Auch das ist ein Symbol, dass aus der Leere, aus dem "Tod", etwas entsteht. "Das Universum ist ja aus einer Vakuumfluktuation, also aus dem Nichts heraus entstanden", sagt er.

Faszinierend ist auch das Video einer Qualle in 1.500 Metern Tiefe im Ozean. Ihr durch chemische Prozesse erzeugtes Leuchten hat große Ähnlichkeit mit dem funkelnden Sternenhimmel. "In der größten Tiefe taucht etwas auf, was an das Höchste erinnert", sagt Lyfond.

Vorliebe für die Alchemie

Immer wieder finden sich in der Ausstellung auch an die frühere Alchemie erinnernde Apparaturen. Dass er eine Vorliebe für diese frühe Wissenschaft hat, die versuchte, Vorgänge in der Materie aufzudecken und Zusammenhänge zwischen oben und unten zu herzustellen, gibt Lyfond unumwunden zu. "Ich experimentiere gern wie ein Alchemist", beschreibt er seine Arbeiten.

Lyfond, der hauptberuflich als Psychotherapeut arbeitet, weiß, dass der Tod auch im Bereich des Psychischen keineswegs ein Ende, sondern oft ein neuer Anfang ist. "Der innere Tod kann eine Leere, ein Mangel sein, in dem ein neuer Anfang liegt", sagt er. Seine meist sehr meditativ gehaltenen Arbeiten regen zumindest zum Nachdenken darüber an. (Christian Prüfer, epd)

Die Ausstellung "endlich unendlich. Der Tod als kosmische Spur des Lebens" ist vom 23. Juli bis 18. September im Kasseler Museum für Sepulkralkultur, Weinbergstraße 25-27, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.


 
 
 
 
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