Im Alter
O Herr, bitter ist das Brot des Alters und hart.
Wie erschien ich mir früher reich -
wie arm bin ich nun, arm und einsam, und so hilflos.
Wozu tauge ich noch auf Erden?
Schmerzen plagen mich Tag und Nacht,
träge rinnen die Stunden meiner schlaflosen Nächte dahin,
ich bin nur noch ein Schatten dessen,
der ich einmal war.
Ich falle den anderen zur Last -
Herr, lass es genug sein.
Wann wird die Nacht enden
und der lichte Tag aufgehen?
Hilf mir, geduldig zu sein.
Zeig mir dein Antlitz,
je mehr mir alles andere entschwindet.
Lass mich den Atem der Ewigkeit verspüren,
nun, da mir aufhört die Zeit.
Auf dich, o Herr, hoffe ich,
lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit.
(Michelangelo Buonarotti 1475-1564)
* * *
Heute, mein Gott, will ich dir danken,
für die bisherige Lebenszeit
mit allem, was sie mir gebracht hat.
Ich danke dir für die kleinen Freuden des Alltags,
für jeden Baum, für jeden Strauch,
für den Gesang der Vögel in den Zweigen,
für die Menschen, die mir begegnen,
und die zu mir gehören
Es ist noch so viel, was mein Leben reich macht.
Erhalte mir, Herr,
ein waches Bewusstsein für den Reichtum meiner Tage.
Ich will nicht klagen über das, was mich beschwert;
freuen will ich mich,
dass ich deiner Treue gewiss sein darf
und deiner Vergebung.
Hilf mir, Herr, dass ich den Menschen meiner Umgebung
mit offenen Augen begegne.
Ich weiß nicht,
wie viel Zeit du mir noch zumessen wirst.
Darum will ich dir danken, Gott,
für jeden Tag und jede Stunde, die du mich leben lässt.
Alle Gebete auf dieser Seite stammen aus dem Evangelischen Gesangbuch für Westfalen und Lippe.



