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Mehr als 600 Frauen und Männer kamen zum Presbytertag der westfälischen Landeskirche

Fortbildung, Austausch, Ermutigung

Sie tragen eine hohe Verantwortung und bringen freiwillig viel Zeit und Energie auf: die rund 5.000 Männer und Frauen, die zum Leitungsgremium (Presbyterium) einer evangelischen Kirchengemeinde in Westfalen gehören. Am Samstag (11.2.) kamen weit über 650 zum Tag der Presbyterinnen und Presbyter in Dortmund zusammen. Es war ein Tag der Fortbildung, des Austauschs und nicht zuletzt der geistlichen Besinnung und Ermutigung.

Mut machte Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, gleich zum Auftakt in der vollen Reinoldikirche. Sie dankte »für die Kraft, die Zeit und die Gebete, die Sie sich dieses kirchliche Ehrenamt kosten lassen«. Sie ging auf die Erfahrung ein, »dass sich Bewährtes und Gewohntes und Geliebtes nicht einfach festhalten lässt«. Und die leitende Theologin wies auf Jesus Christus hin: »Dieser Jesus ist das Herz Gottes selbst, das bei uns und für uns schlägt, das mit uns und für uns lebt.«

Für den Designer Daniel Müllenmeister von der Gemeinde Havixbeck im Münsterland ist klar: »Wir haben eine tolle Botschaft – da lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie wir sie unter die Leute bringen.« An seinem Presbyterium schätzt er auch die »geistliche Gemeinschaft«, die über Organisations-, Bau- und Finanzfragen hinausgeht. Eine der jüngsten Presbyterinnen ist Jule Wölpert (19) aus Witten. Die Studentin möchte der Jugend in der Kirche eine Stimme geben. In ihrem Presbyterium jedenfalls gelingt das: »Meine Meinung wird da selbstverständlich geachtet.«

Breit gefächert waren die Themen der 38 Arbeitsgruppen am Nachmittag: Fragen der Leitung unter geistlichen Perspektiven, neue Gemeindeformen, Gottesdienst, Kirche und Geld, religiöse Vielfalt. Wie verändern Flüchtlinge eine Gemeinde? Wie kann Kirche einladend und attraktiv sein?

Dazu lieferte Dr. Michael Herbst viele Anregungen. »Wer anziehend sein will, will nicht ‚unter sich‘ bleiben«, sagte der Professor, der an der Universität Greifswald Praktische Theologie lehrt. Wer attraktiv sein will, müsse den Blickwinkel der Menschen einnehmen, die er gewinnen will, so Herbst. Und: Er brauche den Mut, Grenzen zu überschreiten. Jesus habe es vorgemacht und sich mit den Verachteten und Randständigen an einen Tisch gesetzt. Herbst: »Keinem wollen wir verschweigen, dass Gnade, ein Leben mit Gott, Anerkennung trotz aller Schuld, Gewissheit ewiger Geborgenheit für ihn bereit liegt, greifbar nah.«

In einigen Arbeitsgruppen zeichnete sich manches ab, was eine Kirchengemeinde anziehend macht. Sie kann sich zum Beispiel öffnen für die Zusammenarbeit mit der Kommunalgemeinde, für kulturelle Kooperation, etwa mit örtlichen Musikschulen oder Kunstvereinen, für den Dialog mit der benachbarten Moscheegemeinde.

Ein besonderes Beispiel berichtete die Presbyterin Sandra Kopperschläger aus Witten: Dort gibt es regelmäßig Gottesdienste in einer Kneipe. »Wir gehen als Kirche dorthin, wo die Menschen sind«, sagt die Erzieherin. Sie findet es wichtig, ihren Glauben im Alltag zu bekennen. Entsprechend betonte Oberkirchenrätin Doris Damke im Abschlussgottesdienst: Haupt- und Ehrenamtliche wirken in der Kirche so zusammen, »dass sie aller Welt ein Zeugnis davon geben, wes Geistes Kind sie sind.«

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