Wissenschaft anders erfahren
Rund 100 Schülerinnen und Schüler aus Hattingen haben über heiße Eisen der Bioethik diskutiert

Die Schülerinnen und Schüler im HGB-10 der Ruhr-Universität in Bochum. Das kleine Foto auf der Startseite zeigt Professor Klaus Steigleder. Foto: EKvW
Freitagmorgen, 9.20 Uhr, Ruhr-Uni Bochum. Im Hörsaal HGB-10 ist es mucksmäuschenstill. Vor dem Podest stehen Dr. Gudrun Kordecki und Björn Thiel. Beide kommen vom Institut für Kirche und Gesellschaft, das zur Evangelischen Kirche von Westfalen gehört. Und beide warten.
Rund 100 Schülerinnen und Schüler der Städtischen Gesamtschule Hattingen haben sich an diesem Vormittag auf den Weg nach Bochum gemacht, um über drängende Fragen der Bioethik zu diskutieren.Im Vorfeld hatten sie Gelegenheit, sich gründlich auf diesen Tag vorzubereiten. Dazu hat ihnen das Geisteswissenschaftliche Schülerlabor (GSL) das elektronische blackboard der Ruhr-Universität zur Verfügung gestellt.
Während sich die Schülerinnen und Schüler am Audimax sammeln, um gemeinsam zum Hörsaal zu gehen, werden am Ort des Geschehens die letzten Absprachen getroffe
Ein interdisziplinäres Projekt
Zum Beispiel mit Professor Klemens Störtkuhl von der Fakultät für Biologie und Biotechnologie. Er hat zusammen mit Gudrun Kordecki den Projekttag initiiert und vorbereitet.
9.30 Uhr: es geht los. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung in das Geisteswissenschaftliche Schülerlabor an der Ruhr-Uni in Bochum betritt Professor Klaus Steigleder das Podium. Eine halbe Stunde lang referiert er zur Frage: "Worum geht es in der Ethik".
Immer wieder konkrete Beispiele
Ausgehend von der Unterscheidung zwischen deskriptiver und normativer Ethik erläutert Steigleder, was moralische Normen sind. "Moralische Argumente sind Argumente der Machtlosen", so das Zwischenfazit des Professors für angewandte Ethik. Zwischendurch spickt er seinen Vortrag immer wieder mit konkreten Beispielen. Etwa mit der Frage, wie ein Schwangerschaftsabbruch ethisch zu beurteilen sei. "Ein Gesetz, das den Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich verbietet, ist unmoralisch", bekennt Steigleder.
Nach dem Vortrag geht es rüber ins Tutorenzentrum. Dort arbeiten die Gesamtschüler in neun unterschiedlichen Workshops zu den Themenkomplexen "Beginn des Lebens", "Was macht den Menschen aus?" und "Ende des Lebens".
Kontroverse Diskussionen
Im Workshop 5 streiten Selma, Bahar und Fatma um die Frage, ob der Mensch tatsächlich die Krone der Schöpfung sei. Gudrun Kordecki hat der Gruppe Impulse aus Religion, Evolutionstheorie und dem Kreationismus zur Verfügung gestellt.
"Ja, der Mensch ist die Krone der Schöpfung!", ruft es aus der einen Ecke. "Nein, der Mensch ist nur ein besonders geschickter Affe", sagt eine Schülerin in der anderen Ecke. Gemeinsam bereiten die Jugendlichen eine Präsentation vor, die sie nachmittags vor den Professoren vorstellen und gemeinsam mit ihnen diskutieren werden.
Mittagspause wird für Diskussionen genutzt
Dabei sind die Schülerinnen und Schüler mit vollem Eifer bei der Sache. Selbst in der Mittagspause ebben die Gespräche und Diskussionen nicht ab. Im Gegenteil. So mancher nutzt die Gelegenheit in der Mensa, um mit Mitschülern aus anderen Workshops ins Gespräch zu kommen, um eigene Positionen überprüfen und vertiefen zu können.
Dr. Elke Neumann, Leiterin der Gesamtschule Hattingen, unterstreicht: "Dieses Projekt ist eine hervorragende Ergänzung zu unserem Schulunterricht: Wissenschaft anders erfahren und auch das eigene Lernerlebnis auf besondere Art verändern."
Neuauflage von "Bioethik im Diskurs" geplant
Gudrun Kordecki vom Institut für Kirche und Gesellschaft ist am Ende des Tages einfach nur glücklich. Zum einen haben die Schülerinnen und Schüler den wissenschaftlichen Tag sportlich genommen und zwischendurch nicht abgebaut. Zum anderen ist es den Dozenten gelungen, sich auf die Gesprächsebene der Gäste zu begeben, statt Fachgespräche zu führen. Deshalb wundert es kaum, dass die "Bioethik im Diskurs" ein fester Bestandteil des Geisteswissenschaftlichen Schülerlabors in Bochum wird.
Bioethik im Diskurs ist das erste interdisziplinäre Projekt im Alfried-Krupp-Schülerlabor für Geisteswissenschaften. Die Ruhr-Universität in Bochum ist bislang die einzige Hochschule, die eine derartige Institution eingerichtet hat.
Weitere bioethische Aktivitäten des Instituts für Kirche und Gesellschaft für junge Erwachsene:
Next GENeration?!
Projekttage zu den Themen Gentechnik, Klonieren und genetische Auslese
zellux.net
Stammzellen im Schlaglicht von Forschung, Medizin, Kirche, Ethik und Recht
Fotos vom Projekttag "Bioethik im Diskurs"
5 Meinungen: Gibt es den perfekten Menschen?
Videostrecke 1: "Ist der Mensch die Krone der Schöpfung?"
Videostrecke 2: "Wann beginnt das menschliche Leben?"
Internetseite der Ruhr-Uni Bochum



