Superintendent Klaus Majoress. Foto: Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

Ich bin Mitglied der Evangelischen Kirche, weil ich in ihr meine Heimat und viele gute Freunde gefunden habe.

Klaus Majoress, Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg

18.02.10, Kategorie: Aktuelle Nachrichten

Svenja Tegeler ist Diakonin und Feuerwehrfrau

Notfallseelsorge: Hilfe in Ausnahmesituationen für Opfer und Helfer

Svenja Tegeler ist Diakonin im Wittekindshof, Unterbrandmeisterin in der Löschgruppe Volmerdingsen, Notfallseelsorgerin im Kirchenkreis Vlotho und zuständig für die Fachberatung Seelsorge in der Feuerwehr Bad Oeynhausen. Foto: Anke Marholdt

Schwarzer Kajalstift und schwere Rettungsschere, Kuschelbären und harte Männer sind Gegensätze, die einen festen Platz im Leben von Svenja Tegeler haben. Vor wenigen Jahrzehnten hätte sie weder ihren Beruf noch ihr Hobby ausführen können: Beides war fest in Männerhand. Aber die Zei-ten sind vorbei. Svenja Tegeler ist hauptberuflich Diakonin und als Teamleiterin für die beiden Wohnhäuser der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Löhne-Gohfeld verantwortlich. Im Ehrenamt ist sie Unterbrandmeisterin in der Löschgruppe Volmerdingsen, engagiert sich im Team der Notfallseelsorge im Kirchenkreis Vlotho und ist für die Fachberatung Seelsorge der Feuerwehr Bad Oeynhausen zuständig.

Svenja Tegeler weiß, was im Kampf gegen Feuer und Umweltgifte zu beachten ist, kann eingeklemmte Unfallopfer mit der Rettungsschere aus Autos befreien. Aber sie kommt auch, wenn Menschen plötzlich mit dem Tod konfrontiert sind. „Bekannt ist das Bild vom Notfallseelsorger nach großen Unglücksfällen oder einem Amoklauf. Viele häufiger werden wir aber nach Suizid oder erfolgloser Reanimation in Privatwohnungen gerufen“, erklärt die Notfallseelsorgerin.

Kuschelbären im Notfallkoffer

Die Kreisleitstellen in Minden oder Herford fordern die Notfallseelsorge an. Rund um die Uhr ist ein schnell erreichbarer Bereitschaftsdienst durch die rund 70 Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger in den Kirchenkreisen Vlotho, Minden, Herford oder Lübbecke sichergestellt. „Mittlerweile wissen die Kollegen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei, dass wir uns um Menschen kümmern können, wenn sie selbst keine Zeit haben“, berichtet Svenja Tegeler, die für diese Einsätze auch Kuschelbären im Koffer der Notfallseelsorge hat. „Für Kinder kann das sehr hilfreich sein, aber meistens ist es das Wichtigste, dass ein Mensch da ist, Zeit hat zum Zuhören oder das Schweigen einfach mit aushalten kann“, so Svenja Tegeler. Wenn es gewünscht wird, kann die Diakonin ein Gebet sprechen oder eine Aussegnung für einen gestorben Menschen machen.

Menschliche Nähe und praktische Hilfe

„Außer menschliche Nähe brauchen Personen in Ausnahmesituationen meistens ganz praktische Hilfe. Ich koche einen Tee oder besorge ein Wasser. Wir überlegen, wer informiert werden muss oder jetzt helfen kann“, berichtet die Notfallseelsorgerin. Sie will die Zeit überbrücken, bis andere Unterstützung eintrifft. Dann verabschiedet sie sich. Erlebnisse, die unter die Haut gehen kann sie nicht immer zurücklassen: „Von jedem Einsatz bleibt etwas zurück. Um damit professionell umzugehen und auch innerlich wieder abgeben zu können, braucht man eine fundierte Ausbildung und ständige Unterstützung“, ist Svenja Tegeler überzeugt. Erste Grundlagen hat die Wittekindshofer Diakoninnenausbildung geschaffen. Dazu ist eine spezielle Ausbildung in der Notfallseelsorge gekommen, die kontinuierlich durch Supervision ergänzt wird.

Psychosoziale Unterstützung der Rettungskräfte

Seit einigen Jahren ist Svenja Tegeler auch für die Fachberatung Seelsorge und damit für die psychosoziale Unterstützung der Rettungskräfte zuständig. „Im Einsatz funktionieren Feuerwehrmänner und -frauen. Jeder weiß, welcher Handgriff zu tun ist. Die Probleme kommen nach dem Einsatz, wenn Bilder von schrecklichen Verkehrsunfällen oder Schreie von einem Feuer immer wieder hochkommen“, berichtet die Diakonin und Feuerwehrfrau, die auch die ungeschriebenen Gesetze kennt: „Schwäche zugeben ist weiterhin oft schwierig. Im Einsatz muss man hart sein. Menschen, die sich in der Feuerwehr und im Rettungsdienst engagieren, wollen anderen Menschen helfen. Sie vergessen, dass sie nur stark für andere sein können, wenn sie verarbeitet haben, was sie erleben mussten“, erklärt Svenja Tegeler. Sie drängt niemandem ein Gespräch auf. Aber sie informiert über Verletzungen der Seele, den Unterschied zwischen gutem und krankmachendem Stress und ermutigt nicht nur anderen zu helfen, sondern auch auf sich selbst zu achten, Verletzungen ernst und Hilfe anzunehmen.

Reden über Leben und Tod, Hilfe und Hilflosigkeit

Mittlerweile hat sich in Feuerwehrkreisen herumgesprochen, dass Unterbrandmeisterin Tegeler nicht mit Bibel und Gesangbuch missioniert, sondern dass man mit der Frau, die gerne mal den schwarzen Kajalstift benutzt, reden kann über Leben und Tod, Engagement und Hilflosigkeit. Weil man sie von Einsätzen oder von Fortbildungen kennt, sinkt die Hemm-schwelle, Kontakt aufzunehmen: „Manchmal kriege ich eine Mail oder einer fragt, ob ich mal Zeit habe. Dann geht es um Erlebnisse, die manchmal lange zurück liegen, oder die Angst irgendwann seine eigene Freundin aus einem Autowrack schneiden zu müssen. Wir haben auch schon über Gott gesprochen, der nicht weggeguckt hat bei schweren Unfällen, sondern dabei ist, wenn die Feuerwehrmänner ihr Leben riskieren, um andere zu retten!“ (Anke Marholdt)


 
 
 
 
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