Islam-Experte: Religion wird aus öffentlichem Leben verdrängt
Kirchenrat Gerhard Duncker zum Volksentscheid gegen den Bau von Minaretten in der Schweiz

Ein Bauverbot für Minarette verdrängt Religion aus dem öffentlichen Leben, meint Gerhard Duncker. Foto: EKvW
Der Islamexperte der Evangelischen Kirche von Westfalen, Gerhard Duncker, sieht in dem Schweizer Votum gegen den Bau von Minaretten ein negatives Signal für öffentlich gelebte Religion. Das könne dazu führen, dass Christen ihre Kreuze abnehmen müssten, und Muslime Minarette nicht mehr bauen dürften, sagte der Kirchenrat der Evangelischen Kirche von Westfalen in einem epd-Gespräch am Montag in Bielefeld. Immer öfter gelte eine "negative Religionsfreiheit". Wenn ein einziges Elternpaar gegen ein Kreuz in der Schule sei, bekäme diese Minderheit Recht. So werde Religion zunehmend aus dem öffentlichen Leben gedrängt, befürchtet Duncker, der auch neun Jahre EKD-Auslandspfarrer in Istanbul war.
Muslime sollten beim Bau einer Moschee bereit sein, sich auf die Umgebung einzulassen, appellierte Duncker. So könne man einen Baustil wählen, der nicht vollkommen fremd wirke. "Moscheen kommen immer dann in der Bevölkerung besser an, wenn sie nicht im klassischen osmanischen Stil errichtet werden." Positiv wahrgenommen würden Moscheen, die sich als offen und einladend auch für Nicht-Muslime präsentierten. Der geplante Moscheebau in Köln-Ehrenfeld habe durch Einbeziehung der Bewohner Transparenz ermöglicht. Zudem sorge ein Architekt, der bereits viele Kirchenbauten geplant habe, für Akzeptanz. (epd)



