Innige Gemeinschaft mit dem Auferstandenen
Professorin Luise Schottroff über das Verständnis des Abendmahls
Nicht der Bezug auf den Einzelnen und seine Sünden dürfe bei der Feier des Abendmahls im Vordergrund stehen, sondern der Gedanke der Gemeinschaft und der Bezug zum praktischen Leben. Diesen Paradigmenwechsel forderte Luise Schottroff, Professorin für Neues Testament, beim 21. Westfälischen Theologinnentag im Gemeindehaus der Dortmunder St. Petri-Gemeinde. Vor gut 100 Zuhörerinnen sprach sie zum Thema „Ein Schimmer von Gottes gerechter Welt. Das Abendmahl als eschatologisches Mahl".
Das Abendmahl sei nicht in erster Linie Erinnerung an das Leiden und den Tod Christi, sondern ein Fest der Auferstehung und der „innigen Gemeinschaft" mit dem Auferstandenen. Zu dieser Gemeinschaft seien alle zugelassen worden, betonte Schottroff. Spätere Regelungen der Kirchen, bestimmte Gruppierungen vom Abendmahl auszuschließen, stünden nicht im Einklang mit der biblischen Überlieferung.
Schottroff: Jesu Tod als Opfer zu bezeichnen, ist missverständlich
Als „Opfer" möchte Schottroff den Tod Jesu nicht verstanden wissen. „Das Wort ist missverständlich", so die Theologin. „,Gabe’ oder ,Darbringung’ trifft das Geschehen genauer und ist auch völlig ausreichend." Der Tod Jesu sei nicht notwendig, damit Gott den Menschen das Heil zukommen lassen könne, sondern: „Heil, Heilung trotz des Todes geschieht im Widerstand gegen den Tod und durch die von Gott geschenkte Auferstehung".
Für die urchristliche Gemeinde habe der Aspekt des Widerstandes eine zentrale Rolle gespielt, so Schottroff: Jesus habe sich aktiv gegen das Unrecht der römischen Besatzung zur Wehr gesetzt; aus seinem Vorbild habe die Gemeinde den Mut gewonnen, ebenfalls im Sinne der Thora gegen Ungerechtigkeit und Tod aufzubegehren.
Die 75-jährige Luise Schottroff war bis 1999 Professorin für Neues Testament an der Universität Kassel und lehrt seit 2001 an der School of Religion in Berkeley/USA. Ihr Name ist eng verbunden mit der Sozialgeschichte des frühen Christentums und der feministischen Befreiungstheologie. Sie ist Mitherausgeberin und Übersetzerin der „Bibel in gerechter Sprache". (Anke von Legat)




