Endstation Ewigkeit
Professor Markus Mühling zur christlichen Lehre von der Endzeit
Unter dem Titel „Endstation Ewigkeit“ laden die Evangelischen Kirchengemeinden Porta Westfalica in Zusammenarbeit mit der Erwachsenenbildung zu einer Vortragsreihe ein, die Aspekte christlicher Hoffung für die Zukunft der Welt darstellen. Im ersten dieser Vorträge setzte sich Prof. Markus Mühling im Gemeindehaus Veltheim mit der christlichen Sicht der Endzeit auseinander.
Der in Heidelberg und Aberdeen lehrende Professor für Systematische Theologie eröffnete seinen Vortrag mit einer Untersuchung unterschiedlicher Vorstellungen vom Ende der Welt aus unserer Kultur, wie Prognosen über ein Weltende aus den Naturwissenschaften, Befürchtungen eines selbstverschuldeten atomaren Endes, Vorstellungen aus dem Gegenwartsfilm („2012“) oder auf ein Ende projizierte Katastrophenerfahrungen aus der Geschichte. All diese kulturellen Vorstellungen stellen Erweiterungen unserer menschlichen Alltagserfahrung auf die Zukunft dar und sind hauptsächlich von Furcht getragen.
Die christliche Vorstellung vom "jüngsten Tag" hingegen, so Mühling, habe ihre Begründung nicht in menschlicher Alltagserfahrung, sondern in der im christlichen Glauben ansichtigen Erfahrung, dass sich Gott selbst dem Menschen als ewige, dreieinige Liebe erschließt“. Der "jüngste Tag", der mit dem "Kommen Christi" verbunden sei, bedeute damit, dass die Welt ein Ende als endliches Sein finde. Dieses sei aber nicht gar nichts, sondern das Ende bedeutet das Aufgehobenwerden der Welt in das beziehungsreiche Sein Gottes hinein, der damit zur Umwelt seiner Geschöpfe wird. Das immerwährende personale Zusammensein der Geschöpfe mit dem Sohn und den anderen Personen der Dreieinigkeit bilde damit das Ende und die Vollendung des Menschen. Es handelt sich um ein Ende der Geschichte, das aber selbst nicht innergeschichtlich und datierbar wäre, sondern allen Zeiten gleich nahe ist.
Während die Christen der ersten Zeit eine das Ende in geschichtlich naher Zeit erwarteten, gelte für die Menschen in der Gegenwart, dass diese Naherwartung in eine „Stetserwartung“ überführt wird, die diese Vollendung jederzeit erwarten kann, wie ja auch der persönliche Tod jederzeit eintreten kann. Mit dieser christlichen Erwartung verbinden sich Haltungen, die auch das Leben im Hier-und-Jetzt verändern: Im Christlichen Glauben ist man "wachsam", d.h. man weiß um die Vorläufigkeit, Endlichkeit, Geschöpflichkeit und Erschöpflichkeit unseres Lebens hier, man ist "nüchtern", d.h. man weiß um die bleibende Gültigkeit von Liebesbeziehungen im Gegensatz von manipulativen Beziehungen und Geschäftsbeziehungen über das Ende der Endlichkeit hinaus, was den Umgang der Menschen miteinander schon in der Gegenwart verändert. Das Ende als die bleibende, direkte Gegenwart und Gemeinschaft der Geschöpfe mit dem dreieinigen Gott ist somit nichts, was zu fürchten wäre, sondern dem Christen hoffnungsvoll entgegenblicken.





