Superintendent Klaus Majoress. Foto: Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

Ich bin Mitglied der Evangelischen Kirche, weil ich in ihr meine Heimat und viele gute Freunde gefunden habe.

Klaus Majoress, Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg

19.02.10, Kategorie: Aktuelle Nachrichten

Ein Stück Sozialgeschichte

Das Archiv der Trinitatis-Gemeinde geht bis auf das Jahr 1888 zurück

Karl-Heinz Reinholz mit einem Kirchenbuch aus den Anfängen der Gemeinde. Foto: Cornelia Fischer

„Ob der Bräutigam schon verehelicht gewesen und wie die Ehe getrennt worden ist“ fragte das Kirchenbuch streng. Doch im Jahr 1888 war die Welt noch in Ordnung. „Nein“ lautet der handschriftliche Eintrag und Karl-Heinz Reinholz findet erst etwa 90 Trauungen später eine Abweichung: „Ja, durch den Todt“ heißt es hier.

Karl-Heinz Reinholz ist der ehrenamtliche Archivar der Trinitatis-Kirchengemeinde Buer. Sein Reich befindet sich im Souterrain des Stephanushauses. Neben den Unterlagen aus den Vereinigungsgemeinden Markus und Scholven bewahrt er in einem Eisenschrank die Kirchenbücher der Apostel- und der Stephanuskirche auf. Sie sind lückenlos erhalten, von 1888 bis heute. „Die neuesten Jahrgänge sind allerdings nicht hier, sondern im Gemeindebüro“ erklärte er. „Die werden ja immer mal für Bescheinigungen gebraucht.“

Anfragen sind stark zurück gegangen

Wer also in Buer-Mitte getauft, konfirmiert oder getraut wurde, der steht im Kirchenbuch. „Bis vor etwa zwei Jahren hatte ich nahezu jede Woche bis zu drei Anfragen von Menschen, die etwas über ihre Vorfahren herausfinden wollten“, erzählte Reinholz. „Seitdem ist das stark zurückgegangen.“ Es mag etwas damit zu tun haben, dass viele Daten auch im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) auf Mikrofiches zur Verfügung stehen. Aber diese Original-Kirchenbücher sind mehr als reine Sammlungen von Personendaten. Sie stellen auch ein Stück Sozialgeschichte dar.

Im 19. bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde beim Bräutigam gefragt nach „Name, Vorname, Stand (=Beruf), Wohnort, Bekenntnis (=Konfession) und Alter.“ Bei der Braut wurde ganz selbstverständlich nicht nach dem „Stand“, also dem Beruf gefragt. Die Mütter der Brautleute spielten gar keine Rolle – gefragt wurde ausschließlich nach den Vätern.

Seit 1977 wird nach dem Beruf der Braut gefragt

Im Jahr 1977 hat die Welt sich offensichtlich geändert. Jetzt fragen die Kirchenbücher auch nach dem Beruf der Braut, auch nach den Müttern des Ehepaares. Ebenfalls interessant ist die Statistik, zum Beispiel bei den „Confirmirten 1889“. Es waren gerade einmal 16 Kinder. Bis zum Jahr 1916 ist diese Zahl auf 120 hochgeschnellt.

Reinholz bearbeitet jede Anfrage mit großer Sorgfalt. „Oft wissen die Leute gar nicht genau, nach welchem Jahrgang sie suchen“, erzählte er. „Dann gehe ich schon einmal zehn Jahre vor oder zurück, bis ich die Gesuchten gefunden habe.“ Archivar ist er eher durch Zufall geworden. „Ich war im Presbyterium, als ein Nachfolger gesucht wurde“, erinnert er sich, „und da habe ich wohl etwas zu forsch geguckt.“ Seine Arbeit macht ihm Freude, „aber“, so der 69-Jährige, „es wird auch Zeit, dass mal jemand nachkommt.“ (Katharina Blätgen)


 
 
 
 
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