Superintendent Klaus Majoress. Foto: Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg

Ich bin Mitglied der Evangelischen Kirche, weil ich in ihr meine Heimat und viele gute Freunde gefunden habe.

Klaus Majoress, Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg

19.02.10, Kategorie: Aktuelle Nachrichten

"Bildung fängt bei Glaubensbildung an"

Bildungsexperten diskutierten in Dortmund über die Bedeutung der reformatorischen Bildungstradition

Professor Bernd Beuscher bei seinem Vortrag zum Thema "Evangelisches Bildungsverständnis in der Tradition der Reformation". Foto: EKvW

Die Höhe der Bildungschancen hängt nicht zu allererst vom Geld sondern von der Lebensenergie der Lernenden ab. Diese These vertrat Professor Bernd Beuscher (Evangelische Fachhochschule Bochum) bei der Tagung "Gestern so gut wie heute!?", zu dem das Evangelische Erwachsenenbildungswerk Westfalen Lippe e.V. und das Evangelische Familienbildungswerk Westfalen und Lippe e.V. in das Dortmunder Reinoldinum eingeladen hatten.

Bildung sei mehr als "ausgebildete Einbildung", so Beuscher. Vielmehr handele es sich um Veränderungsprozesse ins Offene. Mündigkeit sei dabei primär keine Frage des Verstandes sondern des Mutes. Nur wer einen großen Glauben habe, könne es sich leisten, viel zu denken.

Beuscher: Naiver Atheismus dominiert das geistige Klima

Das geistige Klima in Deutschland sei, so Beuscher, "von einem naiven und geistig anspruchslosen Atheismus dominiert". Besonders hinsichtlich theologischer Mündigkeit herrsche unabhängig vom Bildungsgrad eine große Armseligkeit, diagnostizierte Beuscher. Deshalb empfehle er besonders diejenigen Bewerberinnen und Bewerber zur Anstellung, die neben solider soziologischer, juristischer, psychologischer, organisatorischer und pädagogischer Fachlichkeit auch evangelisch gebildet und theologisch aufgeklärt seien.

Heute sei es eine drängende religionspädagogische Aufgabe, die "säkulare Vernunft" theologisch aufzuklären. Denn die Krise der Bildung beruhe letztlich auf der kurzsichtigen und unaufgeklärten Abkopplung von Glauben und Denken.

Verstärkt auf die Qualität der Bildungsangebote achten

Darüber hinaus sei es auch für kirchliche Bildungseinrichtungen wichtig, mehr auf die Qualität der Angebote zu achten und diese teurer zu verkaufen anstatt die Zahl der Angebote sowie die Teilnahmefrequenz an Weiterbildungsveranstaltungen zu erhöhen.

Alfred Buß, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, erinnerte in seinem Grußwort an das Leben des Reformators Philipp Melanchthon. Mit Blick auf sein Erbe gelte es heute, eine überlegte und qualitativ hochwertige Auswahl des Unterrichtsstoffes zu treffen, statt Schülerinnen und Schüler mit Wissen zu überfrachten.

Buß: Freude an der Leistung speist sich aus dem Dank für Gottes Gaben

Buß verurteilte die Leistungsmaximierung allein nach ökonomischen Prinzipien. Es werde viel zu sehr auf Produkte und Ergebnisse geschaut, anstatt nach den Ursachen fehlender Leistung zu fragen. Bezug nehmend auf die reformatorische Verhältnisbestimmung von Glaube und Leistung plädierte er für eine Freude an der Leistung, die sich aus dem Dank für Gottes Gnade speise. Buß: "Wenn der Bundesaußenminister mit Parolen durch die Lande zieht, kann man nur sagen: vorreformatorisch!"

Zugleich wendete er sich gegen den Auszug des Faches Religion aus den Schulen und wies auf mögliche Folgen hin: ein Schub sowohl für den Fundamentalismus als auch für den wissenschaftlichen Rationalismus.

Reformation hat zur Demokratisierung der Bildung beigetragen

"Die Reformation hat zur Demokratisierung der Bildung beigetragen", urteilte Superintendentin Annette Muhr-Nelson, die zusammen mit Fred Sobiech die Gäste im Dortmunder Reinoldinum begrüßte.

Am Nachmittag diskutierten Professor Rainer Brödel (Uni Münster), Annette Dellwig (Jugendbildungsstätte Nordwalde), Ulrike Kilp Aranmolate (Erwachsenenbildungswerk Dortmund), Fred Sobiech, Dr. Katrin Kaufmann (Ministerium für Generationen, Frauen, Familien und Integration des Landes NRW) und Heinz Huber (Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes NRW) über die Bedeutung des reformatorischen Erbes für die pädagogische Praxis heute.


 
 
 
 
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