Älteste Bibelanstalt der Welt feiert Geburtstag
300 Jahre von Cansteinsche Bibelanstalt und 25 Jahre Werkstatt Bibel / Festgottesdienst in der Dortmunder Reinoldi-Kirche

Feierten das Doppeljubiläum: Pfarrerin Christel Schürmann, Pfarrer Stephan Zeipelt, Pfarrer Hartmut Griewatz, Präses Alfred Buß, Dr. Benno Freiherr von Canstein und Professor Dr. Andreas Lindemann (von links). Foto: EKvW
Die weltweit älteste Bibelanstalt, die von Cansteinsche Bibelanstalt in Westfalen, wird in diesem Jahr 300 Jahre alt – die „Werkstatt Bibel“ wurde vor 25 Jahren gegründet: Für die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) ein Grund zum Feiern. In einem Festgottesdienst anlässlich des Doppeljubiläums würdigte Präses Alfred Buß am Sonntag (28.2.) in der Dortmunder St. Reinoldi-Kirche das theologisch und gesellschaftlich wichtige bibelmissionarische Engagement beider Einrichtungen.
Der Predigttext, das Gleichnis vom Wachsen der Saat (Markus 4, 26-29), ist für den leitenden Theologen der westfälischen Landeskirche auch Sinnbild für die Arbeit von Bibelanstalt und Bibelwerkstatt: Der biblische Bauer sät und erntet – doch wachsen lässt Gott. Ohne das geht es nicht. Dynamische Eigeninitiative und vertrauensvolle Zuversicht gehören zusammen. „Natürlich bleibt das Machen wichtig“, betonte Buß, „Der Bauer hat gesät. Von Canstein hat nimmermüde das Bibelwerk vorangetrieben und einen Vorschuss von etlichen Tausend Talern gegeben. Nein, es geht nicht ohne Machen. Das Wachsen der Saat setzt Initiative, Engagement und anstrengende Arbeit voraus. Martin Luther und Carl Hildebrand Freiherr von Canstein waren treue Sämänner.“
Aber: „Das Wachstum ist unverfügbar.“ In nicht zu überbietender Kühnheit, so Buß, sehe Jesus Christus in seinem Gleichnis den Schöpfer und Vollender der Welt in einem Getreidekorn am Werk und öffne damit die Augen für das beginnende Gottesreich, mitten unter uns. „Das Unspektakuläre lockt zum Glauben – provozierend in der Erlebnisgesellschaft.“ Zeit und Besonnenheit schenke das Gleichnis: „Unser Tun wird zum Vorletzten. Wir werden frei zum Handeln, ohne das Letzte von uns selbst zu fordern.“
Sein Fazit: „Glauben heißt, in Spannung leben und darauf vertrauen, dass Gott in dieser Spannung unser Leben trägt und hält. Solche gespannte Gelassenheit treibt uns an, aufs Feld zu gehen und Samen auszusäen – wie Luther oder Canstein damals und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der von Cansteinschen Bibelanstalt und der Werkstatt Bibel heute.“
von Cansteinsche Bibelanstalt in Westfalen e.V.
Die von Cansteinsche Bibelanstalt in Westfalen ist die älteste Bibelanstalt der Welt. Das Ziel des vor 340 Jahren geborenen Carl Hildebrand Freiherr von Canstein bei der Herausgabe seiner ersten Bibel war: „Preiswerte und gute Bibeln für alle“. Tatsächlich wurden die Bibeln zu einem für damalige Maßstäbe unglaublich geringen Preis verkauft. Das Neue Testament kostete zwei Groschen und die
ganze Bibel sechs Groschen. Das entspricht einem heutigen Wert von einem bzw. drei Euro. Bis zum Jahr 1800 konnten in dem damals dünn besiedelten Deutschland genau 2.770.282 Bibeln und Neue Testamente verbreitet werden. Namen. Die 1710 in Halle/Saale gegründete Bibelanstalt hat ihre Geschäftsstelle heute in Dortmund – genauer gesagt im Amt für missionarische Dienste (AmD) der Evangelischen Kirche von Westfalen. Präsident ist der Theologe Professor Dr. Andreas Lindemann, Bielefeld-Bethel.
Werkstatt Bibel (www.werkstatt-bibel.de)
„Werden hier vielleicht alte Bibeln repariert?“ So oder ähnlich reagieren manche, die die Bibelwerkstatt besuchen – noch unsicher, was sie erwartet. In der Tat: In dieser Werkstatt gibt es auch alte Bibeln zu sehen. Und wie die Bibel in drei Jahrtausenden in unzähligen Werkstätten abgeschrieben, gedruckt und schließlich gespeichert wurde und wird – darüber informiert die Ausstellung „Vom Papyrus zur CD-ROM – wie die Bibel zu uns kam“. Die Besucherinnen und Besucher können selbst zur Bibel greifen und aktiv werden. Mit Herzen, Mund und Händen kann man entdecken, wie lebendig die Texte der Bibel sind.
Dass Bibelarbeit mehr ist als Arbeit – das haben schon viele in der Bibelwerkstatt erlebt: Schüler und Konfirmandinnen, aber auch unterschiedliche Gruppen von Erwachsenen. Zu finden ist die „Werkstatt Bibel“ ebenfalls im Amt für missionarische Dienste (AmD) in Dortmund. Für Gruppen bis 25 Personen wird sie nach Voranmeldung jederzeit geöffnet. Dabei wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, ein auf die jeweilige Gruppe abgestimmtes Programm anzubieten.
Ansprechpartner für beide Einrichtungen:
Pfarrer Hartmut Griewatz, Amt für missionarische Dienste,
Olpe 35, 44135 Dortmund, Telefon: 0231 5409-68, E-Mail: griewatz@amd-westfalen.de



