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Symposion mit Polnischem Ökumenischen Rat und Partnern aus Italien und Ungarn

Kulturelle Diversität in Kirchen

Migration und Zuwanderung sind besonders in Deutschland und Italien seit vielen Jahren eine anhaltende Herausforderung. Kirchen engagieren sich hier diakonisch, praktisch und sozial. Aber was verstehen wir unter kultureller Diversität und wie erleben wir Diversität in unseren Kirchen in Westfalen, Polen, Ungarn und Italien? Darum ging es bei einem Treffen von 22 Vertreterinnen und Vertretern aus dem Polnischen Ökumenischen Rat sowie aus Kirchen in Italien und Ungarn.

Zu dem Symposion hatte die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) nach zwei Jahren Corona-Pause in Bielefeld-Bethel eingeladen. Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Präses Dr. h. c. Annette Kurschus.

Wie sich durch Zuwanderung die Kultur und Identität von Gemeinden ändert, berichtete Jens Hansen, Pfarrer der Waldenserkirche aus Catanzaro in Süditalien. „Zusammen Kirche sein“ heißt das Programm des evangelischen Kirchenbundes und der Union der Waldenser- und Methodistenkirchen. Zuwanderer beispielsweise aus Ghana würden Mitglieder in den Gemeinden, brächten ihre Sprache, Kultur, Lieder und Liturgien mit und veränderten so das Gesicht der Gemeinden.

Mit dem Prozess „Kirche in Vielfalt“ hat die westfälische Kirche die eigene interkulturelle Entwicklung auf den Weg gebracht. Kirchenleitungsmitglied Annette Salomo stellte die ersten Schritte im Prozess vor. Ein Leitbildentwurf liege dazu vor. Arbeitsgruppen klopften das Thema in den Bereichen Bildung, Gottesdienst, Seelsorge und Gemeindealltag auf Veränderungsbedarfe ab. Theologische Debatten über eine „interkulturelle Ekklesiologie“ seien zu führen, wie Daniel Scheuermann von der Universität Münster berichtete.

Bei einem Besuch in der Neustädter Marienkirche lernten die Teilnehmenden die Initiative „Vesperkirche“ kennen. Die Kirchengemeinde engagiert sich mit einem kostenfreien Mittagsmenü für Menschen in der Stadt. Ein Team von mehr als 70 Ehrenamtlichen organisiert das und öffnet sich den sozialen Fragen in der Bielefelder Innenstadt.

In Polen und Ungarn stellt sich das Thema von einer ganz anderen Seite dar, wie die Teilnehmenden erfuhren. Polen hat seit Beginn des Krieges in der Ukraine Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer aufgenommen. Diakonie, Kirchengemeinden und Polnischer Ökumenischer Rat haben schnell und unbürokratisch humanitäre Hilfe geleistet. Wohnungen und Gemeindehäuser wurden zur Verfügung gestellt, Integrations- und Sprachkurse organisiert. Die Polnische Orthodoxe Kirche erhält neuen Zulauf durch ukrainische, orthodoxe Menschen.

Die ungarischen Partnerkirchen erfahren den Krieg und sein humanitäres Leid vermittelt durch die Partnerkirchen in der Westukraine. Ungarns Geschichte und die kirchlichen Verbindungen in die Ukraine, nach Serbien, Slowenien und in die Slowakei spielen auch heute noch eine große Rolle.

„Gut, dass wir unsere Erfahrungen austauschen können und uns gegenseitig unterstützen im Gespräch und in der Praxis“, sagte der westfälische Ökumenedezernent Dr. Albrecht Philipps. Ökumene lebe von Beziehungen. Präses Dr. h. c. Annette Kurschus sprach ihre große Wertschätzung für die langjährige, vertrauensvolle Kooperation mit dem Polnischen Ökumenischen Rat, Lutheranern und Reformierten in Ungarn und der italienischen Waldenserkirche aus. In den letzten Jahren habe man einen großen Schritt getan von einem bilateralen hin zu einem echten, europäischen Symposion, das auch in der Vorbereitung schon von Kirchen aus vier Ländern gemeinsam getragen wird, sagte Pfarrerin Stephanie Lüders, Vorsitzende des Unterausschusses Europa der EKvW. Das nächste europäische Symposion wird 2025 in Polen ausgerichtet.

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