Unsere aktuellen Nachrichten
auf einen Blick
Präses Kurschus warnt vor Pauschalurteilen gegenüber Fremden

»Zu lange vor der Not die Türen zugesperrt«

PADERBORN/BIELEFELD - Die Präses der westfälischen Kirche, Anette Kurschus, hat angesichts von zunehmenden Fremdenfeindlichkeit vor Pauschalverurteilungen gewarnt.

»Die groben Argumente, die pauschalen Verdächtigungen, die simplen Lösungen, die Schwarz-Weißmalerei und die schnellen Schuldzuweisungen müssen wir uns verbieten«, sagte Kurschus am Freitagabend beim Neujahrsempfang des Kreises Paderborn. Kirche in der Migrationsgesellschaft müsse hingegen das Gebot der Nächstenliebe in die Öffentlichkeit bringen, und auch selbst danach leben.

Es wäre absurd und unanständig, wegen der wöchentlichen fremdenfeindlichen Pegida-Kundgebungen in Dresden die Dresdner pauschal als Fremdenfeinde und Demokratiefeinde zu verdächtigen, sagte Kurschus, die auch stellvertrenden Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist. Ebenso platt, absurd und unanständig wäre es, pauschal die Nordafrikaner, die Muslime oder die allein reisenden Flüchtlinge zu verdächtigen und vorzuverurteilen, sagte Kurschus laut Redetext. Fremdenangst und Demokratieverachtung gebe es nicht nur in Dresden. Ebenso gebe es sexualisierte Gewalt nicht nur in arabischen Kulturen.

Scharf verurteilte Kurschus die Silvesterübergriffe auf Frauen. Körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen sowie von Männern seien unantastbar. Es gebe keine Entschuldigung dafür, wenn sie verletzt würden. Das gelte auf Schulhöfen, in Schwimmbädern, bei Volksfesten sowie in ehelichen und unehelichen Schlafzimmern. »Das gehört zu unserer Kultur, das muss und das kann man lernen.«

Die Unterbringung und Versorgung der großen Zahl an Flüchtlingen sei für die Gesellschaft eine große Herausforderung, räumte die leitende Theologin der viertgrößten Landeskirche ein. Mindestens ebenso groß sei die Herausforderung, wenn das Mitgefühl an Grenzen stoße oder die Sorgfalt beim Denken und Reden nachlasse. »Unser Mitgefühl darf nicht stumpf werden«, unterstrich Kurschus. »Vieles von dem, was uns heute und hier überfordert, hat seinen Grund darin, dass wir vor dem Elend und der Not direkt vor unserer Haustür allzu lange die Augen zugekniffen und die Türen zugesperrt haben.« (epd)

Zurück