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Kirchlicher Flüchtlingsbeauftragter mahnt Minderheitenschutz in Aufnahmeeinrichtungen an

Pfarrer: Flüchtlinge vor Taufe auch über Risiken informieren

Bei Taufen von Flüchtlingen ist laut dem kirchlichen Zuwanderungsexperten Helge Hohmann eine sehr gründliche Vorbereitung nötig. Kirchengemeinden müssten die asylrechtliche Situation der Flüchtlinge im Blick haben, sagte der Zuwanderungsbeauftragte der westfälischen Landeskirche in Schwerte dem Evangelischen Pressedienst (epd). So müsse bedacht werden, dass ein Asylantrag auch negativ entschieden werden könne. Dann stehe möglicherweise eine Rückführung in das muslimische Herkunftsland bevor. »Darüber muss mit den Flüchtlingen gesprochen werden, ob sie auch diese Konsequenzen im Blick haben.«

Dass die Zahl an Taufen unter Flüchtlingen zugenommen habe, liege nicht daran, dass die Kirche mehr missioniere, sagte Hohmann. »Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich Flüchtlinge für eine Taufe entscheiden, weil sie sich Vorteile beim Asylverfahren versprechen.« Vor einer solchen Taufe werde dieser Schritt in Taufgesprächen und einer gründlichen Vorbereitung geprüft, betonte der evangelische Pfarrer. Aufgrund der gestiegenen Zahl an Flüchtlingen in Deutschland gibt es auch zunehmend mehr Taufen von Flüchtlingen. In vielen muslimischen Ländern droht einem zum Christentum übergetretenen Muslimen die Todesstrafe.

Laut einer Umfrage in den Kirchenkreisen der westfälischen Kirche hätten sich einige an Taufen interessierte Flüchtlinge in den Unterkünften bedroht gefühlt, sagte der Theologe weiter. Das sei noch kein flächendeckendes Phänomen. »Aber es kann geschehen, dass Konvertiten, oder Flüchtlinge, die das beabsichtigen, in Flüchtlingsheimen unter Druck geraten.« Der Übertritt eines muslimischen Flüchtlings zum christlichen Glauben lässt sich laut Hohmann kaum verbergen. Die Taufe finde in der Regel in einem öffentlichen Gottesdienst statt. Zudem gebe es eine gute Vernetzung unter den Flüchtlingen. Auch komme es darauf an, wie offen die Flüchtlinge selbst mit dem Thema umgingen.

Nötig ist nach Einschätzung des Experten, den Schutz von Minderheiten in Flüchtlingsunterkünften zu verbessern. Das gelte nicht nur für Konvertiten oder Christen, sondern auch für Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung oder allein reisende Frauen. Für den Schutz von Minderheiten müsse bei den Betreibern von Unterkünften das Bewusstsein geschärft werden. Das Land Nordrhein-Westfalen richte beispielsweise eigene Unterkünfte für allein reisende Frauen und andere schutzbedürftige Personen ein. Problematisch sei die Situation besonders in den Notunterkünften, weil diese oft Provisorien seien, wo eine Privatsphäre nicht gewährleistet sei. Für eine Reform der Erstaufnahme setze sich die westfälische Kirche auch in einem Dialog mit dem Innenministerium ein. (epd/Holger Spierig)

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