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Christen aus ganz Nordrhein-Westfalen diskutieren über Gemeindepartnerschaften

Ökumene als Zukunftsmodell

Mehr als 50 Vertreterinnen und Vertreter aus katholischen, evangelischen und freikirchlichen Gemeinden diskutierten am Samstag, 5. März, in Düsseldorf über ihre Erfahrungen mit ökumenischen Gemeindepartnerschaften.

Auf Einladung der fünf katholischen Bistümer und der drei evangelischen Landeskirchen in NRW waren sie im FFFZ, dem Tagungshaus der Evangelischen Kirche im Rheinland, zusammengekommen, um über neue Impulse für das Miteinander der Konfessionen nachzudenken.

Anlass, so die rheinische Oberkirchenrätin Barbara Rudolph, seien die Vorbereitungen auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017, das in NRW deutlich ökumenische Akzente erhalten soll. »Mit dem Projekt ›Ökumenische Gemeindepartnerschaften 2.0‹ möchten wir dazu beitragen, dass der 500. Jahrestag der Reformation zu einem Ausgangspunkt für eine neue Ökumene der Sendung wird«, betonte Volker Meißner, der Ökumene-Referent des Bistums Essen.

Erste Gemeindepartnerschaft 1999

An die erste Gemeindepartnerschaft in NRW erinnerte der langjährige evangelische Ökumenepfarrer der Domstadt, Hans-Georg Link. Er selbst hatte das Modell Ende der 1980er Jahre in England kennen gelernt und 1999 mit den Gemeinden in Köln-Neubrück umgesetzt. »Mit einer Partnerschaftsvereinbarung erhält die Zusammenarbeit eine neue Qualität«, so Link. Oft gerate die Zusammenarbeit in eine Krise, wenn Personen wechseln oder Pfarr- und Gemeindegrenzen neu gezogen werden. Gerade dann könne eine schriftliche Vereinbarung zur Stabilität in der Ökumene vor Ort beitragen.

Ökumene hat Christentum von innen heraus revolutioniert

Der Münsteraner Religionssoziologe Karl Gabriel kam in seiner Analyse zu dem Ergebnis, dass die Ökumene in den vergangenen 50 Jahren das Christentum von innen heraus revolutioniert habe. Darüber hinaus sei die Ökumene auch zentral für die Entwicklung einer neuen christlichen Identität in einer Zeit gesellschaftlicher und kirchlicher Umbrüche. Den Kirchenleitungen empfahl Gabriel daher, das Modell der Gemeindepartnerschaften noch mehr als in der Vergangenheit zu unterstützen.

Dass Christen gerade bei der Suche nach neuen Ausdruckformen des christlichen Glaubens konfessionsübergreifend zusammenarbeiten, machte Pastorin Sandra Bils mit Beispielen aus der Bewegung Kirche2 deutlich. So finden sich in der Gemeinschaft »Exodus« in Hannover vorwiegend junge katholische und evangelische Christinnen und Christen, die sich in den traditionellen Gemeinden nicht beheimatet fühlen, an wechselnden Orten zu modernen Gottesdiensten zusammen und versuchen, Glauben und Leben intensiver miteinander zu verbinden.

Ökumenische Gemeindepartnerschaften als Zukunftsmodell

Am Ende des Tages nahmen die ehrenamtlichen und hauptberuflichen Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden aus den Gesprächsrunden und den Vorträgen nicht nur viele Ideen und Anregungen mit nach Hause, sondern auch eine große Bestätigung für ihr Engagement. Und für die Verantwortlichen aus den Bistümern und Landeskirchen steht fest: Ökumenische Gemeindepartnerschaften sind kein Auslauf-, sondern ein Zukunftsmodell.

Stichwort: Ökumenische Gemeindepartnerschaften

Ökumenische Gemeindepartnerschaften sind schriftlich fixierte Vereinbarungen, in denen in der Regel evangelische und katholische Nachbargemeinden eine verbindliche Zusammenarbeit vereinbaren. Sie legen fest, welche Gottesdienste und Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt werden und formulieren Ziele für die Zusammenarbeit über die Konfessionsgrenzen hinweg. Je nach örtlichen Gegebenheiten können auch freikirchliche oder orthodoxe Gemeinden in die Partnerschaft eingebunden werden. Auch die gemeinsame Nutzung von kirchlichen Gebäuden kann Inhalt von Partnerschaftsvereinbarungen sein.

2005 haben die Bistümer Paderborn und Münster mit der Evangelischen Kirche von Westfalen und der Lippischen Landeskirche Rahmenleitlinien für ökumenische Gemeindepartnerschaften veröffentlicht. Es folgte eine Rahmenvereinbarung in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Südwest.

Für das Jahr 2017 planen alle nordrhein-westfälischen Bistümer und Landeskirchen eine neue Initiative zur Förderung der Gemeindepartnerschaften.

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