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auf einen Blick
Vielseitiges Programm zur Beteiligung am Europäischen Stationenweg

Minden in einer Liga mit Rom, Dublin und Riga

»Was ist das denn, das ist ja voll krass!«, so kommentierte am Freitagmittag gegen 13 Uhr ein vorüber gehender Teenager die Ankunft des Stationenweg-Trucks auf dem Mindener Martinikirchhof.

In der Tat ist das himmelblaue Gefährt, mit dem die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in 68 europäischen Städten Geschichten rund um das Thema Reformation sammelt, beeindruckend groß. So musste eine ganze Weile rangiert werden, bis das Fahrzeug gerade stand. Der weitere Aufbau nahm mehrere Stunden in Anspruch. Dann aber bildete der Truck mit der kleinen Bühne und den Hütten, in denen Mindener Vereine und Institutionen Kulinarisches und Informationen bereithielten, ein einladendes »Luther-Dorf«. Es bildete den Mittelpunkt für ein vielseitiges Wochenende voller interessanter Angebote. Am Freitagabend begrüßten Superintendent Jürgen Tiemann für den Kirchenkreis, die stellvertretende Bürgermeisterin Ulrieke Schulze für die Stadt und Dr. Rolf Becker für die EKD offiziell das Projekt Stationenweg in Minden. In Hannover habe man gestaunt über das breit gefächerte Programm, berichtete Becker. »Minden kann mithalten mit den großen Städten wie Rom, Dublin und Riga, die ebenfalls vom Stationenweg-Mobil angefahren werden«, sagte er. Damit hatte er Recht. Genau so wie der junge Mann, der den Truck mittags »krass«  fand. Gleich nachdem Posaunen- und Vokalchöre den Truck begrüßt hatten, fand in der St.-Martini-Kirche eine eindrucksvolle Uraufführung statt. Kantor Dr. Ulf Wellner hatte anlässlich des Reformationsjubiläums ein »Magnificat« komponiert. Mit großem Aufgebot an Sängerinnen und Sängern, Musikerinnen und Musikern wurde es aufgeführt und vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Gleich im Anschluss daran fand in der nahe gelegenen Petrikirche ein Poetry-Slam zum Mindener Stationenweg-Motto »Nicht ohne dich!« statt. Am Samstag gab es in der St.-Marien-Kirche eine weitere Uraufführung. Konfirmandinnen und Konfirmanden der Gemeinde sangen und spielten ein »Reformationsspiel«, das Marien-Kantorin Anna Somogyi eigens für dieses Wochenende komponiert hatte. Das Libretto stammt von Pfarrer Dr. Manuel Schilling. Unter dem Titel »Die Murmel« erzählt das Singspiel aus der Perspektive zweier Kinder Mindens Geschichte in der Reformationszeit. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag erwiesen sich die Reenactment-Gruppen »Facing the Past« und »Augenblick-Theater« als Publikumsmagneten. In historischen Kostümen führten sie vor Augen, wie zur Reformationszeit das Leben in Minden ausgesehen haben könnte. So wurden zum Beispiel Fäden gesponnen, Leder und Holz verarbeitet, Messer geschliffen und Würfel gemacht. Auch historische Stadtführungen und kleine Szenen aus dem Leben Nikolaus Krages, von dem die Mindener protestantische Kirchen- und Schulordnung stammt, standen auf dem Programm. Am Samstagabend begrüßten Bürgermeister Michael Jäcke und Superintendent Jürgen Tiemann rund 260 geladene Gäste im Rathaussaal zu einem festlichen Programm. Als eindrucksvolle Rednerinnen waren Präses Annette Kurschus und Ministerin Christina Kampmann zu erleben. Für die musikalische Gestaltung sorgten der Chor Tookula der Christuskirche, der Kammerchor der St.-Marien-Kirche und das Saxophon-Quintett Quintessenz. Höhepunkte am Sonntag waren ein gemeinsamer historischer Gottesdienst aller Innenstadtgemeinden in St. Martini, eine Singspiel-Version des von Martin Luther für seine Kinder gedichteten Weihnachtsliedes »Vom Himmel hoch, da komm ich her«, die Preisverleihung in St. Marien zu einem Wettbewerb an weiterführenden Schulen, der anlässlich der Beteiligung am Europäischen Stationenweg durchgeführt wurde und schließlich ein Posaunenkonzert in St.Martini unter dem Motto »Ein musikalisches Apfelbäumchen«. Nächste Station des Trucks ist am 29. November Stadthagen. Bis zur Ankunft in der Lutherstadt Wittenberg am 20. Mai 2017 wird der Truck danach noch 55 weitere Städte anfahren. Ein großes Programm für ein großartiges himmelblaues Gefährt.
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