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Altpräses Linnemann feiert am 30. Dezember seinen 85. Geburtstag

»Kein Mann großer Worte – er hat Gottes Wort groß gemacht«

WESTFALEN - D. Hans-Martin Linnemann, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) von 1985 bis 1996, wird am 30. Dezember 85 Jahre alt.

»Er verstand seinen Dienst immer als Pastor«, würdigt Präses Annette Kurschus ihren Vorgänger: »Die Attitüde eines ‚Kirchenfürsten‘ blieb ihm zeitlebens fremd.« Linnemann habe durch gründliche Sach- und Aktenkenntnis, Offenheit, Klarheit, Gesprächsbereitschaft überzeugt und durch den stets erkennbaren Willen, auch Positionen von Minderheiten Gehör zu verschaffen. »Persönliche Bescheidenheit, Selbstdisziplin und Nüchternheit zeichnen ihn aus. Hans-Martin Linnemann ist kein Mann großer Worte, hat aber zeitlebens Gottes Wort groß gemacht. Darum hat sein Wort Gewicht - bis heute«, so Annette Kurschus.

Ein besonderes Augenmerk von Präses Linnemann galt den – auch schon damals aktuellen – Fragen von Flüchtlingen und Asylsuchenden. Seine Amtszeit als leitender Theologe der EKvW war von historischen Umwälzungen geprägt: der Fall der Mauer, das Ende der Apartheid im südlichen Afrika, der erste Golfkrieg und der Krieg im zerfallenden Jugoslawien.

Weltgeschehen und Kirche sind nicht identisch, aber sie haben miteinander zu tun, sind miteinander verwoben: Dieser Gedanke ist Linnemann wichtig. Die engen Beziehungen, die er nach Polen und zur Russisch-Orthodoxen Kirche pflegte, verstand er als »bescheidene Beiträge zur Versöhnung«.

Linnemann engagierte sich im Zentralausschuss der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Als Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche der Union, Bereich West, stand er, lange vor der deutschen Einheit, für die guten Beziehungen der evangelischen Kirchen in beiden deutschen Staaten. 1989 wurde er in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. Unter seiner Ägide entstand außerdem die Pressestelle der westfälischen Landeskirche.

Hans-Martin Linnemann, geboren 1930 in Witten, verbrachte seine Jugend in Amelunxen bei Höxter. Nach dem Theologiestudium in Marburg, Göttingen, Münster und Bethel wurde er 1960 Studentenpfarrer in Münster und 1965 Pfarrer an der Reinoldikirche in Dortmund. Von 1976 bis 1985 war er Superintendent des Kirchenkreises Lünen und Vorsitzender der Vereinigten Kirchenkreise Dortmund und Lünen.

»Ich bin ein Kind des Ruhrgebietes« war der erste Satz seiner Vorstellung vor der Westfälischen Landessynode, die ihn am 14. November 1984 als Nachfolger von Dr. Heinrich Reiß zum Präses wählte. Rückblickend sagt er, in seiner Leitungsaufgabe habe er sich im Landeskirchenamt – »es ist besser als sein Ruf« – und in der Kirchenleitung immer von einer vertrauensvollen Gemeinschaft getragen gefühlt.

Hans-Martin Linnemann lebt mit seiner Frau in Bielefeld. Er hat fünf Kinder und sechs Enkelkinder.

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