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auf einen Blick
Wirtschaftliche Schieflage

Aus für Jugendbildungsstätte Berchum

Die evangelische Jugendbildungsstätte Berchum schließt zum 31. Dezember. Sie ist in eine wirtschaftliche Schieflage geraten.

Die evangelische Schülerinnen und Schülerarbeit (eSw) am Ergster Weg in Berchum schließt zum 31. Dezember 2017. Diese wird seit fast 135 Jahren von einem gemeinnützigen Verein geführt, der 100 Mitglieder zählt. Die bittere Nachricht vom Aus erfuhren die 28 Mitarbeiter am Donnerstagabend. Das Landeskirchenamt hatte dem Träger-Verein um den 1. Vorsitzenden Dr. Michael Fink angekündigt, ab dem Jahr 2018 den jährlichen Zuschuss zu streichen. Dieser beläuft sich, so Andreas Duderstedt, Pressesprecher des Landeskirchenamtes, auf 260 000 Euro. »Es ist hart, eine solche Entscheidung zu treffen«, versichert Udo Bußmann, Landesjugendpfarrer der evangelischen Kirche von Westfalen. »Aber sie war unausweichlich. Geld weiter in eine Aktivität zu investieren, die absehbar nicht kostendeckend zu führen ist, macht keinen Sinn. Und noch einmal groß in ein Gebäude zu investieren, verbietet die Gesamtentwicklung der kirchlichen Finanzen.« Als Vorsitzender der eSw sagte Michael Fink: »Ohne diesen Zuschuss können wir nicht weitermachen. Der Vorstand musste deshalb handeln, allein schon aus rechtlichen Gründen handeln.«

Trauriges Ende einer Entwicklung

Es ist eine Entscheidung, die dem Vorstand der evangelischen Schülerinnen- und Schülerarbeit in Westfalen schwer gefallen ist. Aber letztlich, so ergänzt Ute König, Leiterin der Einrichtung und geschäftsführende Bildungsreferentin des Vorstandes, gab es keine andere Entscheidung. Niemand kann aktuell sagen, wie es am Ergster Weg in Berchum weitergehen wird. »Wir kämpfen«, betonte Ute König gestern, »und wir suchen nach einer Lösung. Möglicherweise mit der Unterstützung anderer Jugendträger. Ideen dafür gibt es.« Gleichwohl steht für sie fest: »Das ist ein trauriger Schritt und das Ende einer langen Entwicklung.« Ein wesentlicher Faktor sei, dass das 145 Betten zählende Haus aktuell nicht mehr zukunftsfähig sei. Ute König: »Hier müsste richtig investiert werden, denn es gibt bei uns in den Vier-Bett-Zimmern noch Doppelstockbetten.« Diese würden die Mädchen und Jungen aller Schulformen noch bis zur Mittelstufe akzeptieren. Und auch die Konfirmanden.Doch in der Altersstufe danach werde es schwierig. Weil die Landeskirche perspektivisch von einem Rückgang der Steuereinnahmen ausgehe, werde aktuell alles zur Disposition gestellt, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Ute König: »Ohne die Unterstützung der Landeskirche kann das Haus aber nicht weiter betrieben werden.« Diese Aussage möchte die Leitende Bildungsreferentin aber nicht als Kritik an der Landeskirche verstanden wissen. »Diese hat hier in Berchum bereits Millionen investiert.«

20 000 Gäste pro Jahr

Auch das Land NRW habe die Jugendeinrichtung stets unterstützt. »Aber die Förderungsmodalitäten haben sich verändert. Es gibt keine Strukturförderung mehr, nur noch eine Projektförderung.« Rund 20 000 Gäste habe das Haus im Jahr 2016 gezählt, unter ihnen viele Jugendliche aus Osteuropa. Schließlich sei die vom ehemaligen Geschäftsführer Paul Gaffron vorangetriebene East-West-East-Idee ein Schwerpunkt der inhaltlichen Arbeit gewesen. Diese sei auch die Motivation für die Mitarbeiter zu versuchen, das Haus, in welcher Form auch immer, am Markt zu halten und neue Modelle zu entwickeln, die zukunftsfähig seien. Die Nachricht von der wirtschaftlichen Schieflage hätte die Mitarbeiter nicht unvorbereitet getroffen. »Ich habe immer mit offenen Karten gespielt. Es hat stets Transparenz geherrscht«, so die Leiterin.auf die Praxis. (Volker Bremshey/Westfalenpost)
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