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auf einen Blick
Begegnung von alter und neuer Musik zum Reformationsjubiläum

»Schlaf worden…«

Ein außergewöhnliches Konzert konnten Freunde geistlicher Musik in der vollbesetzten Walburga-Kirche in Meschede am ersten Februar-Sonntag erleben. Alte und neue Musik trafen im harten Gegensatz aufeinander.

Anlässlich des Reformationsjubilläums hat die Evangelische Kirche von Westfalen sechs Auftragskompositionen vergeben, die sich auf jeweils eine Kantate von Johann Sebastian Bach beziehen. In der Mescheder Walburga-Kirche war die Uraufführung der ersten Auftragskomposition unter dem Titel »Schlaf worden…« von Martin Wistinghausen zu hören. Als Gegenpart erklang die Bach-Kantate BWV 125 zum Fest Mariä Lichtmess.

Zu Beginn des Konzertes war die Kirchenorgel zu hören mit Präludium und Fuge e-Moll von Bach (BWV 548), gespielt vom Arnsberger Kirchenmusikdirektor Gerd Weimar, der auch die Leitung des gesamten Konzertes hatte. Danach folgte eine Lichterprozession der Sängerinnen und Sänger des Südwestfälischen Kammerchores, die  mit brennenden Kerzen feierlich vom hinteren Teil der Kirche nach vorn zum Altarraum schritten. Unter der Leitung des Benediktinerpaters P. Erasmus Kulke stimmten sie gregorianische Gesänge an, Antiphonen, die vor über 1000 Jahren entstanden sind. Ein beeindruckender Klang des einstimmigen Gesangs, der, durch den Hall der Kirche verstärkt, wahrhaft unter die Haut ging.

Die Bach-Kantate und die Neukomposition wurden begleitet von einem Instrumentenensemble, das zum großen Teil aus exzellenten Sauerländer Musikern mit Konzertmeister Klaus Esser bestand. Ein wunderbarer Klang erfüllte den gesamten Kirchenraum mit seinen guten akustischen Eigenschaften.

Der Komponist der Auftragsarbeit Martin Wistinghausen gab den Zuhörern zunächst einige Erläuterungen zu seiner Arbeit, die er in vier Skizzen unterteilt hat. Das Licht als christliches Symbol der Hoffnung war der Leitgedanke in verwendeten Texten dreier Barock-Dichter. Die verschiedenen Teile der Bachkantate wurden im Wechsel der neuen Komposition gegenübergestellt, in der moderne musikalische Ausdrucksmittel dominierten. Zusätzlich zum Bachinstrumentarium kamen verschiedene Schlagwerke zum Einsatz. Atonalität, chaotische Entwicklungen, außergewöhnliche Spielweisen der Instrumente und des Chorgesangs, manchmal gesprochen oder geflüstert, waren charakteristisch für die zeitgenössische Musik. Der Gegensatz zu Bachs Musik war zunächst irritierend, dann aber doch interessant, in einigen Teilen sogar zu minimalistisch und zu kurz. Da kam beinah der Wunsch nach mehr auf. Der Chor glänzte mit einer sauberen Intonierung und sicherem Ton vor allem bei den ungewöhnlichen Klängen moderner Musik.

Die Gesangssolisten der Bach-Kantate waren Künstler, die im Sauerland seit Jahren bekannt sind für ihre hervorragenden Stimmen: Anne-Kristin Zschunke, Alt, Nils Giebelhausen, Tenor und Jens Hamann Bass, der sich zusätzlich als einfühlsamer Rezitator erwies. In Skizze 3 trug er unter dezenten Streicherklängen das Barockgedicht »Kirschblüte bei Nacht« von B. H. Brockes vor, in dem das strahlende Blütenweiß des Kirschbaumes glorifiziert wird. Danach folgte in beeindruckender Weise das Duett der Bachkantate mit Bass und Tenor »Ein unbegreiflich Licht erfüllt den ganzen Kreis«. Nach dem Schlusschoral von Bach bedankten sich die Zuhörer mit herzlichem Applaus. Sie konnten eine ungewöhnliche Musikdarbietung erleben, die sicher noch zu manchen Diskussionen anregen wird.

Die nächste Aufführung der »Dialoge«-Reihe findet am Sonntag, 19. Februar, in Gelsenkirchen statt. Die Komposition von Karin Haußmann heißt »Kriegslied«. Das Thema der dazugehörigen Bach-Kantate »Erhalt uns, Herr, bei Deinem Wort, und steure Deiner Feinde Mord…« ist politisch und gesellschaftlich hochbrisant und wird mit anderen Werken zum Thema Frieden in der Nicolai-Kirche erklingen.

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